Beeinflusst galaktische kosmische Strahlung die Wolkenbildung - und damit das Klima?
publiziert: Freitag, 20. Jul 2012 / 10:36 Uhr / aktualisiert: Freitag, 20. Jul 2012 / 10:53 Uhr

Lässt sich die Klimaänderung der letzten Jahrzehnte mit dem Einfluss der Strahlung aus dem Weltall auf die Wolkenbildung erklären - und damit mit einer natürlichen Ursache? Die Wissenschaft hat dazu verschiedene Hypothesen geprüft.

1 Meldung im Zusammenhang
Weiterführende Links zur Meldung:

Blogbeitrag
«Here comes the Sun» von Prof. Stefan Brönnimann
klimablog.ethz.ch

Hypothese 1: Galaktische kosmische Strahlung beeinflusst die Wolkenbildung

«Beeinflusst galaktische kosmische Strahlung die Wolkenbildung?» Diese Frage ist eine Hypothese, mit der die Klimaänderung der letzten Jahrzehnte mit natürlichen Ursachen erklärt werden könnte. Die Hypothese basiert auf der Korrelation zwischen den Veränderungen der galaktischen kosmischen Strahlung und dem Bedeckungsgrad tiefliegender Wolken über einen Zeitraum von 5-10 Jahren. Allerdings ist diese Korrelation weder über längere Zeiträume robust noch wenn die Analyse auf bestimmte Wolkentypen oder Regionen beschränkt wird.

Wie sollte Hypothese 1 funktionieren? Die Hypothese basiert auf der durch Ionen erhöhten Aerosolbildung in sauberer Luft über dem Ozean. In dieser Luft gibt es zu wenig Schwefelsäure, als dass sich hinreichend Aerosolpartikel bilden würden. Deshalb kommt den Ionen eine Schlüsselrolle bei der Bildung von Aerosolpartikeln zu. Die Hypothese wurde im CLOUD-Experiment im CERN evaluiert (siehe Blogbeitrag von Stefan Brönnimann vom 3. Mai 2012 unter weiterführende Links zur Meldung und Kirkby et al., Science, 2011). Die Ergebnisse zeigen Folgendes: Ionen können die Bildung von Schwefelsäure-Aerosolpartikeln auslösen und deren Anzahl erhöhen - jedoch nur in der mittleren und oberen Troposphäre, nicht aber in den untersten Schichten der Atmosphäre, in der sich die oben genannten tiefliegenden Wolken befinden.

Ein weiteres Problem mit dieser Hypothese ist, dass selbst wenn sich Aerosolpartikel durch Ionen bilden, diese erst noch bis zur Grösse von Wolkentröpfchen anwachsen müssten, bis das galaktische Signal in der Wolkenbildung sichtbar wäre. Ob das passieren kann, wurde mit einigen globalen Klimamodell-Simulationen geprüft. Diese Simulationen zeigten, dass das Signal der kosmischen Strahlung nicht gross genug ist, um die Konzentration der Wolkentröpfchen und damit die von den Wolken reflektierte Sonnenstrahlung signifikant zu erhöhen. Diese Hypothese ist demnach keine Erklärung für die Klimaänderung.

Hypothese 2: Kosmische Strahlung verändert elektrisches Feld

Eine zweite Hypothese besagt, dass die kosmische Strahlung das globale elektrische Feld verändern könnte, und so die Wechselwirkungen beeinflusst zwischen Aerosolpartikeln und Wolkentröpfchen an den Rändern der Wolken. Unser Verständnis dieses Mechanismus ist noch sehr limitiert ebenso wie die Studien in dieser Richtung. Zurzeit gibt es jedoch keine Anzeichen, dass dieser Mechanismus bedeutend genug ist, um klimarelevant zu sein.

Hypothesen können Klimaänderung nicht erklären

Fazit: Selbst wenn die galaktische kosmische Strahlung zu einer erhöhten Aerosolbildung in der mittleren und oberen Troposphäre beiträgt, ist dieser Mechanismus zu schwach, um global die Konzentration von Wolkentröpfchen signifikant zu beeinflussen. Somit lässt sich die Klimaänderung des letzten Jahrhunderts nicht mit natürlichen Ursachen erklären, sondern ist mit grosser Sicherheit menschengemacht.

(Prof. Ulrike Lohmann/ETH-Zukunftsblog)

?
Facebook
SMS
SMS
Lesen Sie hier mehr zum Thema
Zürich - Unbemerkter Schweizer Sommer: Oft grau, aber doch wärmer als der langjährige Durchschnitt ist er bisher gewesen. ... mehr lesen
Dunkle Wolken.
Christian Schaffner ist Executive Director vom Energy Science Center (ESC) an der ETH Zürich.
Christian Schaffner ist Executive Director vom Energy Science ...
Die Zukunft  Mit der Energiestrategie 2050 will der Bund das Schweizer Energiesystem für eine klimaverträgliche Zukunft rüsten. Das Vorhaben stellt - ähnlich wie die Energiewende in Deutschland - die betroffenen Akteure vor zahlreiche Herausforderungen und Risiken. Es ergeben sich aber auch etliche Chancen, die es zu ergreifen gilt. 
Energie: Bund stellt Kantonen gute Noten aus Bern - Die Kantone leisten mit ihren Förderprogrammen einen wesentlichen Beitrag zur Erreichung der ...
Der Bund zeigt sich beim Thema Energie zufrieden.
Nachhaltigkeit  Wie kann eine Hochschule ihr vielseitiges Campusleben nachhaltiger gestalten? Und was kann sie ...  
Dr. Dominik Brem ist Umweltbeauftragter an der ETH Zürich.
Dirk Hebel ist Assistenzprofessor für Architektur am Singapore ETH Centre (SEC).
Gravierende Folgen für Umwelt  Der massive Abbau natürlicher Sandvorkommen in Küstengebieten, Flüssen und Seen hat gravierende Folgen für unsere Umwelt. Um die Abhängigkeit von der ...  

Fakten und Meinungen zu Nachhaltigkeit

Der Zukunftsblog der ETH Zürich nimmt aktuelle Themen der Nachhaltigkeit auf. Er bietet eine Informations- und Meinungsplattform, auf der sich Expertinnen und Experten der ETH zu den Themenschwerpunkten Klimawandel, Energie, Zukunftsstädte, Welternährung und Natürliche Ressourcen äussern. Prominente Gäste aus Forschung, Politik und Gesellschaft tragen mit eigenen Beiträgen zur Diskussion bei.

Lesen Sie weitere Beiträge und diskutieren Sie mit auf: www.ethz.ch/zukunftsblog

Der 40-Plätzige Bio-Bus.
Green Investment Menschliche Exkremente treiben Bus an Bristol - In Bristol fährt der erste Bus, der ...
Stellenmarkt.ch
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
MO DI MI DO FR SA
Zürich 12°C 14°C leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt
Basel 6°C 12°C leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt
St.Gallen 5°C 15°C leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt
Bern 7°C 11°C leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt
Luzern 7°C 12°C leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt
Genf 8°C 12°C leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt
Lugano 8°C 11°C leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt
mehr Wetter von über 6000 Orten