Mobil dank Smartphone
publiziert: Mittwoch, 29. Aug 2012 / 10:09 Uhr / aktualisiert: Mittwoch, 29. Aug 2012 / 14:13 Uhr
Susanne Dröscher ist Doktorandin an der ETH Zürich und Präsidentin von [project 21], der studentischen Organisation für nachhaltige Entwicklung.
Susanne Dröscher ist Doktorandin an der ETH Zürich und Präsidentin von [project 21], der studentischen Organisation für nachhaltige Entwicklung.

Mein liebstes Transportmittel in Zürich ist mit Abstand das Velo. Man wartet nicht auf Tram oder Bus und im Gegensatz zur autofahrenden Bevölkerung spart man sich die Zeit für die Parkplatzsuche. Zudem liegen in meinem Fall die täglich anzufahrenden Ziele relativ nahe beeinander und sind daher gut mit dem Drahtesel zu erreichen. Das gilt natürlich nicht für jeden.

Der durchschnittliche Schweizer legt laut der Schweizerischen Taschenstatistik 2012 des Bundesamts für Statistik täglich eine Strecke von 36.7 Kilometern zurück. Davon entfallen 8.9 Kilometer auf den Arbeitsweg und 4.7 Kilometer auf den Einkauf. Eine weitere Erkenntnis aus der Statistik ist, dass 24.4 Kilometer der genannten Tagesdistanz durch motorisierten Individualverkehr bestritten werden - und dies bedeutet nahezu ausschliesslich im (spärlich besetzten) Privat- oder Geschäftswagen. Diese Zahlen könnten sich in den nächsten Jahren dank eines neuartigen Nutzerverhaltens verändern.

Fahrzeuge gemeinsam nutzen

Zum Beispiel könnte Frau Schweizer künftig bei einem Sharing-Anbieter registriert sein. Beim Sharing geht es um das gemeinsame Nutzen von beispielsweise Fahrzeugen. So bieten Sharing-Anbieter ihren Kunden die Möglichkeit, rund um die Uhr und in Selbstbedienung Fahrzeuge zu nutzen.

Als Nutzerin eines solchen Angebots kann sich Frau Schweizer auf immer gut gewartete Fahrzeuge verlassen, die den neusten Standards entsprechen. Ausserdem zahlt sie nur so viel, wie sie die Fahrzeuge auch tatsächlich nutzt. Die Philosophie heisst hier «Access over Ownership».

Mobilität von morgen

Ein Werktag von Frau Schweizer könnte dann beispielsweise so aussehen: Das Elektrovelo, mit dem Frau Schweizer vom Bahnhof zur Arbeit gefahren ist, wird an der dortigen Station registriert und steht (sofort auch online sichtbar) anderen Nutzern wieder zur Verfügung. Für den Arztbesuch am Nachmittag reserviert sich Frau Schweizer per Smartphone einen Elektroscooter. Den Wocheneinkauf am Abend erledigt sie mit einem PKW, den sie in ihrem Wohnort entleiht. Da ihr die Smartphone-App anzeigt, dass ihr Nachbar ebenfalls Lebensmittel benötigt, tun sich die beiden spontan zusammen für den Einkauf.

Am darauffolgenden Tag möchte Frau Schweizer mit einem PKW in den Nachbarort fahren, um sich dort mit Freunden für einen Tag am See zu treffen. Eine Nachricht auf ihrem Telefon teilt ihr mit, dass das E-Bike A zur Umverteilung genau diese Strecke zurücklegen muss. Sie registriert sich kurzerhand dafür und bekommt einen Bonus auf ihrem Benutzerkonto gutgeschrieben.

Neue Mobilität braucht Umdenken

Dies ist selbstverständlich ein Zukunftsszenario, das ein Umdenken in vielen Bereichen erforderte: Transportmittel sind in diesem Szenario Allgemeingut und jedem zugänglich und verlangen beziehungsweise ermöglichen Flexibilität. Die Unterstützung von Seiten der Software wäre unabdinglich für einen reibungslosen Ablauf und fügte der Mobilität (wenn gewünscht) eine soziale Komponente hinzu.

Damit ein solches Szenario Wirklichkeit werden kann, gibt es viel zu lernen - für alle Beteiligten von neuen, teilenden Mobilitätssystemen. Deshalb wird im Herbst diesen Jahres mit dem «E-Velolink» an der ETH Zürich ein Pilotprojekt für die gemeinsame Nutzung von Elektrovelos (E-Bike-Sharingsystem). Die studentische Organisation [project 21] wird gemeinsam mit der ETH Zürich und den externen Partnern Velobility und ElectricFeel zwei automatisierte Verleihstationen aufbauen. Alle registrierten ETH-Angehörigen können dann flexibel zwischen ETH Zentrum und dem Campus am Hönggerberg pendeln. Die Erfahrungen aus Betrieb und Wartung sowie das aufgezeichnete Nutzerverhalten werden im Rahmen eines «Living Labs» direkt in die Weiterentwicklung des Systems einfliessen.

Wir dürfen gespannt sein, wie die Sache ins Rollen kommt!

(Doktorandin Susanne Dröscher/ETH-Zukunftsblog)

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