Schmidheiny zieht Eternit-Urteil weiter
publiziert: Montag, 16. Jul 2012 / 16:05 Uhr / aktualisiert: Montag, 16. Jul 2012 / 20:42 Uhr
Schmidheiny reicht Rekurs gegen Turiner Eternit-Urteil ein.
Schmidheiny reicht Rekurs gegen Turiner Eternit-Urteil ein.

Bern - Der Schweizer Industrielle Stephan Schmidheiny hat Rekurs gegen das Urteil eines Turiner Gerichts vom Februar eingelegt. Dieses hatte ihn und einen Geschäftspartner zu je 16 Jahren Gefängnis und Schadenersatzzahlungen in Millionenhöhe verurteilt wegen Verursachung einer Umweltkatastrophe und Unterlassung von Sicherheitsmassnahmen.

6 Meldungen im Zusammenhang
Den Rekurs an das in zweiter Instanz zuständige Appellationsgericht in Turin bestätigte am Montag Schmidheinys Sprecher Peter Schürmann, der mit einer Wiederaufnahme des Verfahrens in drei bis fünf Monaten rechnet. Am Samstag war die Rekursfrist abgelaufen.

Gemäss der italienischen Nachrichtenagentur Ansa hat auch der ebenfalls verurteilte belgische Baron Jean-Louis de Cartier Rekurs gegen den Gerichtsentscheid eingereicht. Ansa beruft sich auf Aussagen eines Anwalts des ehemaligen Geschäftspartners von Schmidheiny.

Umweltkatastrophe durch Unterlassung von Sicherheitsmassnahmen

Nach Überzeugung des Gerichts hatten die beiden ehemaligen Mitbesitzer der Eternit S.p.A. (Genua), Stephan Schmidheiny und der belgische Baron Jean-Louis de Cartier, mit der Herstellung von Asbest-Produkten eine Umweltkatastrophe verursacht und sich der vorsätzlichen Unterlassung von Sicherheitsmassnahmen in zwei piemontesischen Eternit-Fabriken in Cavagnolo und Casale Monferrato schuldig gemacht.

In zwei anderen italienischen Eternit-Fabriken in Bagnoli (Neapel) und in Rubiera (Reggio Emilia) seien allfällige Straftaten hingegen verjährt, urteilte das Gericht. Gegen diese Verjährung legte die Turiner Staatsanwaltschaft ihrerseits Ende Juni Rekurs ein. Sie strebt eine Verurteilung auch in diesen beiden Fällen an.

Schmidheiny: Nie operativ verantwortlich

Schmidheiny hatte nach dem Urteil im Februar via seinen Sprecher betont, dass er "weder je operativ Verantwortlicher noch Verwaltungsrat oder Besitzer der italienischen Eternit-Gruppe" gewesen sei. Zudem habe die Schweizerische Eternit-Gruppe (SEG) in den 1970er und 80er Jahren über 60 Millionen Franken in die italienischen Werke investiert, um die Sicherheit am Arbeitsplatz zu verbessern.

Die Verteidigung hatte einen Freispruch verlangt; die Staatsanwaltschaft hatte je 20 Jahre Gefängnis gefordert. Die Anklage gegen die beiden Unternehmer hatte auf vorsätzliche Tötung in rund 3000 Krankheits- und Todesfällen und Verursachung einer Umweltkatastrophe gelautet.

In Italiens Industrie wurde Asbest jahrzehntelang verarbeitet - unter anderem im Maschinenbau oder im Baugewerbe. Tausende starben an Lungenasbestose oder an einem durch Asbest verursachten Krebs des Brust- oder Bauchfells (Mesotheliom).

(fest/sda)

?
Facebook
SMS
SMS
0
Forum
Kommentieren Sie jetzt diese news.ch - Meldung.
Lesen Sie hier mehr zum Thema
Turin - Die Turiner Staatsanwaltschaft hat im Berufungsverfahren des Asbest-Prozesses für den Schweizer Stephan Schmidheiny und den Belgier Louis de Cartier am ... mehr lesen
20 Jahre Gefängnis für Stephan Schmidheiny gefordert.
Turin - In Turin ist der Berufungsprozess im Fall Eternit S.p.a. (Genua) eröffnet worden. Hunderte Menschen nahmen teil, um an die Asbestopfer zu erinnern. Der in erster Instanz verurteilte Ex-Mitbesitzer der Firma, der Schweizer Stephan Schmidheiny, blieb der Eröffnung fern. mehr lesen 
Bern - Der Schweizer Industrielle Stephan Schmidheiny, der im Februar im Asbest-Prozess in Italien in erster Instanz zu 16 Jahren Haft verurteilt worden war, verlangt eine Annullierung seines Prozesses. mehr lesen 
Bern - In Italien haben die Justizbehörden Untersuchungen gegen den Schweizer ... mehr lesen
Beim Prozess ging es unter anderem um asbestbedingte Todesfälle in den vier Fabriken an denen Schmidheiny beteiligt war.
Weitere Artikel im Zusammenhang
Bern - Der Schweizer Stephan Schmidheiny und der belgische Baron Jean-Louis de Cartier sind am Montag in Italien in erster Instanz zu jeweils 16 Jahren Gefängnis und Schadenersatzzahlungen in Millionenhöhe verurteilt worden. Schmidheiny kündigte an, das Urteil weiterzuziehen. mehr lesen  1
Mehrere Chauffeure hatten die vorgeschriebenen Ruhezeiten nicht eingehalten.
Mehrere Chauffeure hatten die vorgeschriebenen Ruhezeiten nicht ...
Defekte Bremsen, übermüdete Chauffeure  Bern - In Nidwalden sind am Freitag mehrere Reisecars aus dem Verkehr gezogen worden. Bei einer Kontrolle von insgesamt zehn Fahrzeugen waren teils erhebliche Mängel festgestellt worden, wie die Kantonspolizei Nidwalden am Samstag mitteilte. 
Im Morgengrauen gehängt  Bern - Trotz internationaler Appelle ist im Iran am Samstag eine 26-jährige Frau nach fünf Jahren in der ...  
Leute haben protestiert - es hat nichts geholfen.
Der Hauptzeuge Martin Liechti, Weggefährte des Angeklagten und früher selber hochrangiger UBS-Manager, erhielt im Februar 2008 bankintern Hinweise, dass alle seine E-Mails archiviert würden. (Symbolbild)
Weil-Prozess  Fort Lauderdale - Im Kreuzverhör mit dem Zeugen Martin Liechti ...  
Hauptzeuge Liechti bringt Raoul Weil in Bedrängnis Fort Lauderdale - Der frühere UBS-Manager Raoul Weil hat den Profit über das Gesetz gestellt. Er habe ...
Raoul Weil soll vermögenden Amerikanern bei Steuerhinterziehungen geholfen haben. (Symbolbild)
Titel Forum Teaser
Dirk Hebel ist Assistenzprofessor für Architektur am Singapore ETH Centre (SEC).
ETH-Zukunftsblog Sand (Teil 2): nachhaltige Alternativen Der massive Abbau natürlicher Sandvorkommen in ...
Stellenmarkt.ch
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
SA SO MO DI MI DO
Zürich 6°C 8°C leicht bewölkt, wenig Regen leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt
Basel 5°C 10°C leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt
St.Gallen 4°C 10°C leicht bewölkt, wenig Regen leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig
Bern 7°C 12°C leicht bewölkt, wenig Regen leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig
Luzern 7°C 12°C leicht bewölkt, wenig Regen leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig
Genf 8°C 14°C leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt
Lugano 10°C 16°C leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig
mehr Wetter von über 6000 Orten