Rückblick 2014
«Snowden-Effekt» und App-Boom
publiziert: Mittwoch, 31. Dez 2014 / 20:09 Uhr
NSA-Affäre, Social-Media-Schattenseite, Handy-Sucht und neue Medien.
NSA-Affäre, Social-Media-Schattenseite, Handy-Sucht und neue Medien.

Die Bilanz des Medienjahres 2014 hat ein eher ambivalentes Gesicht: Während vor allem jüngere Zielgruppen weiterhin in Richtung Internet abwanderten und mit dem Selfie-Wahn ein neues Hype-Phänomen erzeugten, setzte bei der Mehrheit der Nutzer doch ein ernstzunehmender Umdenkprozess ein.

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Durch den NSA-Abhörskandal im Vorjahr aufgerüttelt, wurden die eigenen Aktivitäten im Web kritischer hinterfragt und - wenn es sein muss - auch eingeschränkt. Betroffen davon war der Social-Media-Sektor, dessen Schattenseite vielen erst bewusst geworden ist. Stark gefragt blieben hingegen Handy-Apps, für die Nutzer mittlerweile mehr Zeit aufbringen als für herkömmliches Telefonieren.

Selbstzensur nach NSA-Skandal

Wenn es ein zentrales Ereignis gibt, das die Medienwelt in letzter Zeit nachhaltig geprägt hat, so war es die NSA-Affäre aus dem Sommer 2013. Der durch den Whistleblower Edward Snowden aufgedeckte weltweite Überwachungsskandal zeigte 2014 gravierende Auswirkungen auf das Sicherheitsbewusstsein der Internetnutzer. Dieser «Snowden-Effekt» wurde schon zu Beginn des Jahres in einem Bericht der Norwegian Data Protection Authority (NDPA) hervorgestrichen. «Wir sehen hier die ersten Anzeichen dafür, dass die Leute damit angefangen haben, sich in Bezug auf das, was sie im Internet tun, selbst zu beschränken», erklärte NDPA-Direktor Bjoern Erik Thon anlässlich dessen Veröffentlichung.

Social Media zeigt Schattenseite

Dieser generelle Umdenkprozess war auch im Social-Media-Bereich zu beobachten. So kam etwa eine Studie des Pew Research Centers zu dem Ergebnis, dass die Menschen den sozialen Medien weniger als irgendeiner anderen Kommunikationsform vertrauen. Nur ganze zwei Prozent der Befragten sprachen ihr das Vertrauen aus. Auch bei der Kundenzufriedenheit landeten soziale Netzwerke am unteren Ende der Skala. Als ausschlaggebende Gründe hierfür gaben die User neben der zunehmenden Werbeflut vor allem ernste Bedenken in Bezug auf den Schutz der Privatsphäre an.

Dass Facebook und Co abseits des Datenschutzaspektes auch so eine gravierende Schattenseite für Nutzer haben können, liessen gleich mehrere Untersuchungen vermuten. Die Seiten wurden etwa als Beziehungskiller, Ursache für Fettleibigkeit oder gar als Grund für Alkohol- und Tabakkonsum ausgemacht.

Handy: Selfies-Wahn und App-Hype

Das Stichwort «Beziehungskiller» war 2014 auch in Zusammenhang mit der wachsenden Abhängigkeit des Menschen von seinem Mobiltelefon zu hören. Laut einer Studie der California State University halten es die meisten heute nicht einmal zehn Minuten ohne ihr geliebtes Handy aus. Dabei ist der Grossteil so sehr von den vielseitigen digitalen Alleskönnern abhängig, dass die User nicht einmal mehr auf dem stillen Örtchen ohne sie sein können.

Interessant ist, dass das herkömmliche Telefonieren vom Stellenwert her immer weiter in den Hintergrund trat. 40 Prozent meinten sogar, dass sie ohne dieses Feature auskommen könnten. Als viel wichtiger wurden Apps eingestuft, für die Nutzer zunehmend mehr Zeit aufbrachten. Die Folge: Das App-Geschäft boomte auch 2014. Laut BITKOM-Schätzung sollen bis Jahresende alleine in Deutschland bis zu 717 Mio. Euro mit den kleinen Handy-Programmen umgesetzt werden.

Ein Phänomen, das in den vergangenen Monaten öfters für Aufregung gesorgt hat, war der grassierende Selfie-Wahn. Diese Art des Selbstporträts, das per Handy aus dem Handgelenk aufgenommen wird, erlangte spätestens mit der Oscar-Verleihung am 2. März den endgültigen Durchbruch, als sich mehrere US-Schauspielstars auf diese Weise fotografierten. Das Ergebnis verbreitete sich wie ein Lauffeuer im Netz und löste einen regelrechten Hype unter den Social-Media-Fans aus. Das ging so weit, dass die Jagd nach dem schönsten Selfie sogar zu einer grösseren Nachfrage nach plastischer Chirurgie führte.

Medienwelt im Umbruch

Eine Entwicklung, die 2014 von vielen Branchenexperten als «grundlegend» bezeichnet worden ist, ist die grösser werdende Kluft des Medienverhaltens zwischen Alt und Jung. Die britische Medienaufsichtsbehörde Ofcom stellte in ihrem Bericht «Digital Day 2014» fest, dass Kinder zwischen elf und 15 Jahren heute nur mehr knapp die Hälfte der täglichen Zeit ihrer Elterngeneration vor dem TV-Gerät verbringen. «Diese Entwicklung lässt sich nicht nur beim Fernseh-, sondern auch beim Musikkonsum beobachten, was den Druck sowohl auf die TV- als auch die Radioindustrie weiter steigen lässt», so die Ofcom.

Die Verschiebung des Kräfteverhältnisses zwischen traditionellen und neuen Medien brachte Erstere tatsächlich immer weiter in die Bredouille. Klassisches Fernsehen wurde dabei nicht zuletzt auch durch die enorm gewachsene Beliebtheit von Videostreaming-Portalen bedroht. Laut Hightech-Verband BITKOM ersetzte 2014 bereits jeder dritte Nutzer ab 14 Jahren seinen TV-Konsum ganz oder teilweise durch Streaming-Angebote. Aufgerechnet entspricht das gut 13 Mio. Bundesbürgern. Auch zahlreiche Videotheken wurden Opfer dieses Trends.

Machtkampf bei täglichen Nachrichten

Der Machtkampf im Mediensektor führte auch zu vielen spannenden Entwicklungen, was die Art und Weise betrifft, wie der Durchschnittsbürger heute seine täglichen Nachrichten konsumiert. Ende April stellte etwa ein Berufungsgericht in Florida anlässlich eines Prozesses gegen einen Blogger erstmals offiziell fest, dass Blogs und Medien grundsätzlich gleich sind.

Neben Blogs stellten auch Facebook und Twitter ihre wachsende Bedeutung im Nachrichtengeschäft unter Beweis. Laut Erhebung des Pew Research Centers verwendet die Hälfte aller US-Bürger über 18 Jahren beide Portale verstärkt als Nachrichtenkanal. Im Schnitt nutzt inzwischen jeder dritte US-Bürger Facebook, um dort Nachrichten zu lesen. Auch Journalisten selbst greifen für ihre Recherche immer öfter auf derartige News-Quellen zurück.

(bert/pte)

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