Befürworter melden sich zu Wort
Unternehmen machen sich für Energiestrategie stark
publiziert: Freitag, 28. Aug 2015 / 13:08 Uhr
Der Umbau des Energiesystems ist machbar.
Der Umbau des Energiesystems ist machbar.

Bern - Die Energiestrategie 2050 spaltet die Wirtschaft. Bisher waren vor allem die Kritiker zu hören, nun melden sich die Befürworter zu Wort. Sie gehen damit auf Distanz zum Wirtschaftsdachverband economiesuisse, der einen Marschhalt fordert.

5 Meldungen im Zusammenhang
«Ein Marschhalt ist ein absolutes No-Go», sagte Wolfgang Schwarzenbacher, Chef der Gebäudetechnik-Firma Cofely, am Freitag vor den Medien in Bern. Die Befürworter der Energiestrategie aus der Wirtschaft haben sich zur Allianz «Schweizer Wirtschaft für die Energiestrategie 2050» zusammengeschlossen und starten unter dem Motto «Dranbleiben» eine Informationskampagne.

Sie wollen aufzeigen, dass der Umbau des Energiesystems nicht nur wünschbar, sondern auch machbar und finanzierbar ist. Mit dabei sind Branchenverbände wie Holzbau Schweiz und ARE SUISSE, die Dachorganisation der Wirtschaft für erneuerbare Energien und Energieeffizienz, aber auch Stromversorger wie die BKW und die in Swisspower zusammengeschlossenen Stadtwerke. Auf der Liste finden sich ferner die SBB sowie Tourismus-Unternehmen.

Wirtschaftsfreundliches Generationenprojekt

Alle beteiligten Unternehmen zeigen sich überzeugt, dass an der Energiestrategie 2050 kein Weg vorbei führt. Die Schweiz werde damit langfristig aus der Abhängigkeit von fossilen und nuklearen Energieträgern befreit, hält die Allianz fest. Die Steigerung der Energieeffizienz und der schrittweise Ausbau erneuerbarer Energien sicherten den Wohlstand. Die Energiestrategie sei ein «wirtschaftsfreundliches Generationenprojekt».

Schwarzenbacher sprach gar von einem «Konjunkturprojekt». Die Energiewende, die bereits stattfinde, schaffe Arbeitsplätze. Angesichts der heute niedrigen Sanierungsrate sei eine Sanierungswelle zu erwarten, und diese werde sich lohnen. Das Energiesparpotenzial sei riesig, über 40 Prozent des Gesamtenergieverbrauchs gehe auf das Konto der Gebäude.

Kurzfristiges Denken bei Gegnern

Für jene Stimmen aus der Wirtschaft, die vor den Kosten warnen, haben die Befürworter der Energiestrategie wenig Verständnis. Hans Rupli, Präsident von Holzbau Schweiz, warf ihnen kurzfristiges Denken vor. Es gehe um Investitionen in die Zukunft, welche mittel- und langfristig die Wettbewerbsfähigkeit sicherten.

Natürlich könne man den Vertretern der Energie- und Gebäudebranche vorwerfen, sie unterstützten die Energiestrategie, weil sie zu den Profiteuren gehörten, stellte Rupli fest. Doch es gehe auch um den volkswirtschaftlichen Nutzen und um Verantwortung. Der Ressourcenverbrauch müsse sinken.

Plakatkampagne und Abstimmungskampf

Ab Montag werden in der Schweiz Plakate der «Schweizer Wirtschaft für die Energiestrategie 2050» zu sehen sein. Die Allianz hat sich zum Ziel gesetzt, einfach und konkret über deren Nutzen zu informieren. Sie will aufzeigen, was heute bereits möglich ist - beispielsweise Gebäude mit positiver Energiebilanz.

Dabei hat die Allianz durchaus auch schon einen möglichen Abstimmungskampf im Blick, wie Kurt Frei, Chef der Firma Flumroc, sagte. Bis es soweit ist, will sie weitere Unternehmen für die Kampagne gewinnen. Die Verantwortlichen zeigen sich zuversichtlich, räumen aber ein, dass sie auch Absagen erhalten haben, unter anderem von Detailhändlern und Banken. Diese lehnten die Energiestrategie zwar nicht ab, sähen sich derzeit aber nicht in der Allianz.

Ständerat am Zug

Vorerst ist noch das Parlament am Zug: In der kommenden Herbstsession befasst sich der Ständerat als Zweitrat mit der Energiestrategie. Seine Kommission hat die Vorlage ohne Gegenstimmen angenommen, aber etliche Änderungen angebracht.

Anders als der Nationalrat will sie etwa die Laufzeit der ältesten Atomkraftwerke nicht begrenzen. Auch hat sie die Effizienzanreize für Stromversorger gestrichen. Hier wünscht sich die Allianz noch Verbesserungen. Mit der Stossrichtung aber ist sie zufrieden.

Die Gegner der Energiestrategie warnen ihrerseits vor Schaden für die Wirtschaft. Die Forderung nach einem Marschhalt wurde nach dem Entscheid der Nationalbank zur Aufhebung des Euromindestkurses laut. Die Wirtschaft dürfe angesichts des starken Frankens nicht zusätzlich belastet werden, befand economiesuisse-Präsident Heinz Karrer. Im Parlament wird dieses Argument von SVP- und FDP-Vertretern vorgebracht.

(bg/sda)

Kommentieren Sie jetzt diese news.ch - Meldung.
Lesen Sie hier mehr zum Thema
Bern - Der Ständerat will keinen «Marschhalt» bei der Energiestrategie. Er hat am ... mehr lesen
Ob die Laufzeit alter Atomkraftwerke beschränkt werden soll, ist umstritten. Bild: AKW Leibstadt.
Im Bundeshaus ist wieder viel los.
Bern - Es ist, als möchte das ... mehr lesen
Bern - Die letzte Session vor den ... mehr lesen
Es wird streng für die Parlamentarier im Bundeshaus.
Die Atomkraftwerke sollen über die Laufzeit selber entscheiden.
Bern - Die Energiekommission des Ständerates (UREK) will die Laufzeit der ältesten Atomkraftwerke nicht begrenzen. Sie will die AKW-Betreiber auch nicht dazu verpflichten, ab 40 Betriebsjahren ein ... mehr lesen
Bern - Swisscleantech will die ... mehr lesen 1
Kernkraftwerk Gösgen.
.
Digitaler Strukturwandel  Nach über 16 Jahren hat sich news.ch entschlossen, den Titel in seiner jetzigen Form einzustellen. Damit endet eine Ära medialer Pionierarbeit. mehr lesen 21
Finanzhilfen für bestehende Grosswasserkraftwerke waren im ersten Massnahmenpaket zur Energiestrategie ursprünglich nicht vorgesehen.
Finanzhilfen für bestehende Grosswasserkraftwerke ...
Ständerat schwenkt auf Linie des Nationalrats  Bern - Grosswasserkraftwerke sollen Subventionen erhalten, wenn sie den Strom zu tiefen Preisen verkaufen müssen. Darauf haben sich die eidgenössischen Räte geeinigt. Der Ständerat ist am Dienstag auf die Linie des Nationalrats eingeschwenkt. mehr lesen 
Mit Biogas betriebene Wärme-Kraft-Kopplungsanlagen (WKK) können fluktuierenden Solarstrom kompensieren und Gebäude beheizen.
ETH-Zukunftsblog Eine zentrale Herausforderung der Energiewende ist es, die schwankende Stromproduktion aus erneuerbaren ... mehr lesen  
Schweizer Pionierwerk  Zürich - Die Elektrizitätswerke des Kantons Zürich (EKZ) und Energie 360° beschreiten neue Wege beim Aufbau eines intelligenten ... mehr lesen   2
Solarenergie verursacht oft Schwankungen im Netz, trotzdem soll es helfen das Stromnetz zu stabilisieren.
Titel Forum Teaser
  • melabela aus littau 1
    es geht nicht nur um homosexuelle ich bin eine frau und verheiratet mit einem mann. leider betrifft es ... So, 14.08.16 13:18
  • Pacino aus Brittnau 731
    Kirchliche Kreise . . . . . . hatten schon immer ein "spezielles" Verhältnis zu ... Do, 09.06.16 08:07
  • Kassandra aus Frauenfeld 1781
    Das wird die Deutschen aber traurig machen. Wenn man keinen Flughafen und keinen Bahnhof ... Mi, 08.06.16 17:49
  • Pacino aus Brittnau 731
    Demokratie quo vadis? Wenn die Demokratie den Stacheldraht in Osteuropa-, einen Wahlsieg von ... Mo, 06.06.16 07:55
  • zombie1969 aus Frauenfeld 3945
    Es... muss darum gehen, die Kompetenz der Kleinbauern zu stärken. Das sorgt ... Do, 02.06.16 13:07
  • Kassandra aus Frauenfeld 1781
    Kindeswohl egal! Es geht doch vor allem um die eigenen Kinder der Betroffenen. Die ... Do, 02.06.16 08:10
  • Kassandra aus Frauenfeld 1781
    Verlust der Solidarität: Verlust der Demokratie! Vollständig und widerspruchsfrei beantworten lässt sich das wohl nicht. ... Mi, 01.06.16 00:18
  • zombie1969 aus Frauenfeld 3945
    Unterstützung "Deshalb sind für die Sozialhilfe 267 Millionen Franken mehr und für ... Di, 31.05.16 10:38
 
Stellenmarkt.ch
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
Heute Di Mi
Zürich 4°C 6°C wolkig, aber kaum Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wechselnd bewölkt wechselnd bewölkt
Basel 3°C 7°C wolkig, aber kaum Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wechselnd bewölkt wechselnd bewölkt
St. Gallen 2°C 5°C freundlichleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wechselnd bewölkt freundlich
Bern 2°C 6°C freundlichleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wechselnd bewölkt freundlich
Luzern 2°C 6°C wechselnd bewölktleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wechselnd bewölkt wechselnd bewölkt
Genf 3°C 7°C wolkig, aber kaum Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wechselnd bewölkt recht sonnig
Lugano 4°C 8°C trüb und nassleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig anhaltender Regen wechselnd bewölkt, Regen
mehr Wetter von über 8 Millionen Orten