Emotionale Abrechnung
FDP-Spitze erteilt Möllemann einen Dämpfer
publiziert: Sonntag, 7. Jan 2001 / 13:10 Uhr

Stuttgart - Der nach einer Kanzlerkandidatur strebende nordrhein-westfälische FDP-Vorsitzende Jürgen Möllemann hat auf dem Stuttgarter Dreikönigstreffen der Liberalen einen deutlichen Dämpfer erhalten. Der designierte FDP-Vorsitzende Guido Westerwelle kündigte am Samstag auf dem Traditionstreffen ein «Tandem» an der Parteispitze ohne Möllemann an.

Westerwelle will danach zusammen mit dem bisherigen Amtsinhaber Wolfgang Gerhardt die FDP 2002 auf Kosten der Grünen zurück an die Macht bringen. Gerhardt, der nach einer internen Absprache sein Doppelamt aufgibt und sich nach der Wahl Westerwelles auf einem Bundesparteitag im Mai mit dem Fraktionsvorsitz im Bundestag begnügen soll, rechnete in einer teils emotionalen Rede mit seinem innerparteilichen Gegenspieler Möllemann ab.

So dankte er demonstrativ seinen bisherigen politischen Weggefährten, ohne Möllemann zu erwähnen. Mit Blick auf Möllemann fügte er hinzu: «Ich habe Loyalität gelernt und geübt.» Man könne auch nicht Teamarbeit an der Sitze der Partei verlangen und dann dagegen arbeiten. Unter starkem Beifall der 1.400 Zuhörer rief er aus: «Man muss sich auch mal zurücknehmen können.» Möllemann hatte dem FDP-Vorsitzenden wiederholt Führungsschwäche vorgeworfen und dessen Ablösung durch Westerwelle gefordert. Er brachte sich auch als Kanzlerkandidaten ins Spiel. Das sei Teil seines Konzepts, die FDP mit einem zweistelligen Wahlergebnis als dritte Volkspartei zu etablieren und die Grünen zu verdrängen. Das Wählerpotenzial der Liberalen liege bei 18 Prozent. Im «Deutschlandradio Berlin» sagte er, ein Führungsduo lediglich aus Westerwelle und Gerhardt sei zu klein. Die FDP dürfe sich nicht länger «auf die Kanzlerkandidatur einer konkurrierenden Partei festlegen».

Heftig reagierte Möllemann gegen den früheren Außenminister Klaus Kinkel, der den nordrhein-westfälischen Politiker auf dem Dreikönigstreffen offen aufgefordert hatte, «endlich Ruhe zu geben». Er sagte, Kinkel solle bei der Bilanz seiner eigenen Amtszeit «etwas zurückhaltender» sein. Kinkel erklärte in der «Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung», Westerwelle sei zu klug, um Möllemanns Marionette zu werden oder ihn neben sich als Kanzlerkandidaten zu installieren. Gerhardt schloss eine Mitarbeit Möllemanns im Team für den Bundestagswahlkampf 2002 nicht aus. Er sagte in der «Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung», Möllemann müsse sich dann wie jeder andere «mannschaftsdienlich» verhalten. Am Rande des Dreikönigstreffens gab es auch Spekulationen, dass Gerhardt vom Posten des Fraktionsvorsitzes im Bundestag durch den rheinland-pfälzischen Landeschef Rainer Brüderle abgelöst werden solle.

SPD-Generalsekretär Franz Müntefering lobte Westerwelle. Der 39-Jährige habe «alle Talente und alle Chancen, ein anspruchsvoller und seriöser Parteivorsitzender der FDP zu sein,» sagte der SPD-Politiker im Deutschlandfunk. Möllemann sei «nun ein paar Zentimeter kleiner geworden». Das Mitglied des FDP-Bundesvorstandes, Silvana Koch-Mehrin, nannte die Debatte über ihre mögliche Kandidatur für das Amt der FDP-Generalsekretärin im Info-Radio Berlin-Brandenburg verfrüht. Auch der frühere Berliner Landesvorsitzende Martin Matz war für das Amt ins Gespräch gebracht worden.

(sda)

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