Strassenschlachten
Krawalle nach Umzug von Homosexuellen in Belgrad
publiziert: Sonntag, 10. Okt 2010 / 17:24 Uhr

Belgrad - Nach dem ersten Umzug von Homosexuellen in der serbischen Hauptstadt Belgrad ist es am Sonntag zu schweren Krawallen gekommen. Mehrere tausend rechtsextreme Randalierer lieferten sich stundenlange Strassenschlachten mit der Polizei, die den Umzug schützte.

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Die Randalierer, die zum Teil von Geistlichen angeführt wurden, demolierten Autos, plünderten Geschäfte, rissen Verkehrszeichen aus der Verankerung und setzten Müllcontainer in Brand.

Die Unruhen seien ein «unerhörter Ausbruch von Hass» durch eine «faschistische Gruppe», sagte Verteidigungsminister Dragan Sutanovac: «Das ist ein sehr trauriger Tag für Serbien».

Die Polizei setzte Tränengas ein, um die Menge an verschiedenen Punkten im Zentrum der Stadt abzudrängen. Rund 50 Polizisten seien verletzt worden, hiess es aus den Spitälern.

Antiterror-Einheiten zerstreuten die Gewalttäter auch in der zentralen Fussgängerpassage, wo sie Schaufenster demolierten hatten. Zwei Linienbusse wurden verwüstet, ein Magazin im Sitz der Regierungspartei DS wurde in Brand gesetzt. Auch die Auslage im Gebäude des Staatsfernsehens ging zu Bruch.

Unter Ausschluss der Öffentlichkeit

Schätzungsweise 1000 Menschen hatten sich zur «Gay Pride» der Schwulen und Lesben in einem Park im Zentrum versammelt. Der kurze Umzug fand praktisch unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Die Polizei hatte das Gebiet schon am Vorabend teilweise gesperrt.

Diplomaten und Parlamentarier der EU, des Europaparlamentes, des Europarates und der OSZE wandten sich an die Teilnehmer des Umzuges. Die «Parade» sei ein Test für die Achtung der Menschenrechte in Serbien. Es gehe gegen die Diskriminierung von Minderheiten und die Einhaltung von Menschenrechten.

«Wir sind hier, um diesen wichtigen Tag zu feiern, um die Werte der Toleranz, der Meinungsfreiheit und der Versammlungsfreiheit zu feiern», sagte der Leiter der EU-Mission in Serbien, Vincent Degert, in seiner Rede.

5000 Polizisten im Einsatz

Vor neun Jahren war der erste Umzug gescheitert, nachdem Extremisten die Teilnehmer angegriffen hatten. Im letzten Jahr war die Demonstration nach Drohungen abgesagt worden.

Rund 5000 Polizisten schützten die Homosexuellen vor Übergriffen, zu denen verschiedene extremistische Organisationen offen oder indirekt aufgerufen hatten.

Auch am Sonntag trugen einige Randalierer wieder Heiligenbilder, Ikonen und Kreuze und sangen Kirchenlieder. Am Samstag hatten schätzungsweise 20'000 Menschen gegen den Homosexuellenumzug friedlich demonstriert. Bischöfe der serbisch-orthodoxen Kirche hatten ebenso zur Verhinderung des Umzuges aufgerufen wie nationalistische Zeitungen.

(fkl/sda)

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