UNO verurteilt Hinrichtung für sexuelle Orientierung nicht mehr
Todesstrafe: Gekapert von den Fundis
publiziert: Freitag, 19. Nov 2010 / 12:29 Uhr
Gedenktafel an Homosexuelle Opfer der Nazis: Wäre das also für die UNO in Ordnung?
Gedenktafel an Homosexuelle Opfer der Nazis: Wäre das also für die UNO in Ordnung?

Die grundsätzliche sexuelle Orientierung ist etwas, auf das ein Mensch praktisch keinen Einfluss hat. Dies war auch ein Grund, warum in fast allen Ländern in der westlichen Welt die Strafen für homosexuelle Handlungen unter Erwachsenen ebenso wie die «Krankheit» Homosexualität aus den Gesetz- und Medizinbüchern gestrichen wurden, je mehr man über die menschliche Sexualität heraus fand.

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Die Prophezeiungen der hier meist religiös motivierten Gegner einer Gleichberechtigung Homosexueller haben sich dabei kein einziges Mal bewahrheitet. Weder stieg die Anzahl gleichgeschlechtlich orientierter Menschen an, noch führte diese neue Freiheit einer sexuellen Minderheit zum Niedergang der Zivilisation. (Und wer mit Aids hinter dem Ofen hervorkommt: Global gesehen sind die meisten Aids-Fälle auf heterosexuelle Kontakte zurück zu führen.)

Homosexuelle schaden der Gesellschaft nicht – sie sorgen im schlimmsten Fall dafür, dass Kochshows tuntiger moderiert werden. Aber da gibt es nun wirklich schlimmere Dinge auf der Welt. Vermutlich ist der Gipfel der Ironie, dass sich immer öfters herausstellt, dass ausgerechnet eine der homophobsten Organisationen der Welt, die katholische Kirche, eine Kernkompetenz in sexuellen Übergriffen auf Kinder und Jugendliche hat.

Was die Frage aufwirft, warum ausgerechnet die UNO in ihrer Resolution gegen «ungerechtfertigte Exekutionen» die Todesstrafe auf Grund der sexuellen Orientierung nicht mehr ausdrücklich verurteilt.

Federführend waren dabei scheinbar Marokko und Mali, islamische Staaten, deren Regierungen offenbar finden, dass Homosexuelle als Sündenböcke für politische Hetzkampagnen ideal geeignet wären. Doch es waren natürlich nicht nur diese beiden Länder, die diese Änderung voran trieben. Insgesamt stimmten 79 Staaten für die Wieder-Diskriminierung der Homosexuellen.

Diese illustre Gruppe umfasste fast alle islamischen Länder (wobei die Türkei nicht an der Abstimmung teilnahm), aber auch Russland, in dem konservative Strömungen immer stärker werden, während die orthodoxe Kirche ständig an Einfluss gewinnt, sowie China, das Homosexualität erst 1997 als Straftatbestand und 2001 als Krankheit strich und Anfang Jahr einen Schwulen-Schönheitswettbewerb verbot. Geradezu absurd wirkt die Ja-Stimme von Südafrika, wo Homosexuellen-Ehen zwar erlaubt sind, aber jüngste politische Entwicklungen, die in eine totalitäre Richtung gehen, scheinbar mit homophoben Tendenzen Hand in Hand gehen.

Die Tatsache, dass neben China auch Kuba im Mehrheitslager war, zeigt, dass gesellschaftliche Diskriminierung vor allem auf einem rigiden Gesellschaftsbild beruht, das «andere» als schädlichen Einfluss und nicht als Bereicherung betrachtet. Aus Religion und sonstigen kulturellen Traditionen stammende Ressentiments werden dabei mit Freude übernommen und als Doktrin verankert.

Dabei wird immer klarer, dass die Integration und der Stopp der Diskriminierung von Homosexuellen durch die Gesellschaft dieser einen Gewinn bringt. Leute, die normal und ohne Angst leben und arbeiten wie alle anderen, können ihren Teil leisten, statt sich ständig zu fürchten, für etwas bestraft zu werden, auf das sie keinen Einfluss haben.

Man mag nun sagen, dass hier nur eine Änderung im Detail stattfand. Aber die UNO war und ist zentral im Setzen von Standards für Menschenrechte. So ist diese Wende eine Erinnerung daran, dass es mit den Menschenrechten keineswegs immer vorwärts gehen muss – es gibt genügend Kräfte in der Welt, die nicht nur die Homosexuellen wieder verfolgt haben wollen. Und wenn es den Fundis weiterhin gelingt, die UNO für die eigene Agenda zu kapern, werden wir bald auch sehen, dass andere Minderheiten oder unterrepräsentierte Gesellschaftsgruppen keinen expliziten Schutz ihres Lebens von dieser Weltorganisation mehr zugesprochen bekommen werden.

(von Patrik Etschmayer/news.ch)

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Per Definitionem
Zitat PMPMPM
"Mir graut davor, dass am Schluss islamische Länder zusammen mit China die weltweit geltenden Menschenrechte neu definieren."

Wir sind darin schon weiter fortgeschritten, als viele ahnen.

"Saudi-Arabien wurde am 10. November in den Vorsitz der neuen UNO-Gremiums für Frauenrechte und Gleichberechtigung gewählt.

Hilel Neuer, Leiter der UNO-kritischen NGO «UN Watch» kritisierte die Wahl umgehend: «Es ist moralisch pervers, ein Land auf die Frauenrechte Einfluss nehmen zu lassen, das Vergewaltigungsopfer auspeitscht, das Frauen systematisch auf Schritt und Tritt unterjocht.» Noch immer ist es Frauen in Saudi-Arabien beispielsweise verboten, ein Auto zu lenken."

Oder dieses. Der notorische UN - "Menschenrechtsrat".

"Der UN-Menschenrechtsrat hat auf Drängen von Islamisten sämtliche Diskussionen über Religion verboten.

Der UN-Menschenrechtsrat darf Religionen nicht verurteilen, sagte Präsident Doru Romulus Costea aus Rumänien. Kritik an Scharia und Fatwas ist nun verboten."
http://hpd.de/node/4944

Wir müssen begreifen, dass die Zeiten des eurozentrischen Menschenrechtsbildes in der UNO zu Ende gegangen sind. Die Mehrheit der darin vertretenen Staaten haben ganz andere Ansichten, was Frauenrechte, Meinungsfreiheit und Schutz vor Verfolgung aufgund sexueller Ausrichtung angeht.

Ganz zu schweigen davon, dass die 57 Staaten der Organisation der Islamischen Konferenz die Sharia als über allen Menschenrechten stehend erklärt haben.

"Die Kairoer Erklärung der Menschenrechte im Islam ist eine 1990 beschlossene Erklärung der Mitgliedsstaaten der Organisation der Islamischen Konferenz, welche die Schari'a als alleinige Grundlage von "Menschenrechten" definiert."

Das heisst unter anderem, das es rechtens ist, Menschen, die vom Islam in eine andere Religion konvertieren, umzubringen.

Wobei der Islam mit seinem Allgemeinanspruch über Recht, Finanzwesen und Staat sowieso keine Religion, sondern eine Ideologie mit spirituellem Deckmäntelchen ist. So gesehen, dürften die korantreuen Moslems keine Religionsfreiheit für sich beanspruchen, wenn sie sich nicht gleichzeitig von der Sharia und dem totalitären Anspruch des Islam lossagen.

Da die Sharia im diametralen Widerspruch zu unseren Grundgesetzen steht, macht sich jeder, der sie einführen und anwenden will, per se strafbar.
Das ist bloss ein weiterer Beweis dafür...
...dass westlich-liberale Länder in der UNO schlicht in der Minderheit sind und afrikanische Entwicklungsländer ihr Heil nicht mehr in Europa-freundlichem sondern eher Islam- oder China-freundlichem Abstimmungsverhalten sehen.

Mir graut davor, dass am Schluss islamische Länder zusammen mit China die weltweit geltenden Menschenrechte neu definieren. Globalisierung in diesem Sinne: nein danke!
Universell ist nur noch die Bigotterie
Dass aufgrund von Partikularinteressen und auf Druck religiöser Lobbies die Grundrechte relativiert werden zeigt, wie wenig die Uno taugt und wie sehr Schwache und "Andersartige" weiterhin dem Diktat der lautesten ausgesetzt sind. Wer sich hier über die Verfolgung von Homosexuellen empört sei die Kampagne gegen den "Deutschen", der in Triengen das Kreuz abhängen lasse wollte, in Erinnerung gerufen.
JasonBond hat völlig recht!
bezüglich den Menschenrechten in der USA sehe ich auch so. Für mich ist es unbegreiflich, wie ein Land auf Menschenrechte pochen kann, welche die Todesstrafe vollzieht. Dass in der Schweiz Schwulen wieder ein kräftiger Wind ins Gesicht bläst, sehe ich auch so.
Durch die Weltwirtschaftskrise der letzten Jahre rutschten fast alle Regierungen ein ordentliches Stück nach rechts. Und deren Frust bekommen leider wieder die Ärmsten zu spüren!
Gefährliches Detail
Diese Änderung mag ein Detail sein, aber ein potentiell gefährliches.
Die UNO empfinde ich eh nur noch als Witz. Der Menschenrechtsrat erst recht.
Die meisten dieser Staaten die hier dafür gestimmt haben, leben menschenrechtlich gesehen eh im vorletzten Jahrhundert, bestenfalls.

Was mir wirklich Angst macht, das solche Tendenzen auch in den USA, Russland oder sogar bei uns erkennbar sind.
Antisemitismus ist kräftig am wiederkommen (da hat Israel aber auch einiges dafür getan).
Auch Schwulen weht wieder ein kräftigerer Wind ins Gesicht.
Gerade die SVP hat in ihrem Stumpfsinn bei ihrem Pampflet zu den Schulen, indirekt die Schwulen diskriminiert.
Ausgrenzen ist "in" in der Schweiz. Kriminalisieren erst recht.
Sozialbezüger, egal von welchem Werk, Ausländer oder Muslime werden gerade in der Schweiz in letzter Zeit ziemlich schäbig in die Schmuddelecke gestellt.
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