Tipps zum sicheren Abheben
publiziert: Dienstag, 10. Mai 2016 / 08:11 Uhr
Sicherheitskontrolle in US-Airport: 95% Versagen, 100% nervig.
Sicherheitskontrolle in US-Airport: 95% Versagen, 100% nervig.

In letzter Zeit wurden aus Terrorangst zwei Flüge in den USA aufgehalten. Dies, weil Passagiere sich vor Mitreisenden wegen deren 'verdächtigen' Verhaltens bedroht fühlten. Die Bedrohungen: Differentialgleichungen und ein Telefongespräch auf Arabisch. Sollten Sie also in nächster Zeit in den USA unterwegs sein, hier ein paar Tipps fürs problemlose Reisen.

3 Meldungen im Zusammenhang
Weiterführende Links zur Meldung:

Telefongespräch führt zu Sicherheitsintervention
Ein Student muss eine Boeing verlassen, weil er mit seinem Onkel Arabisch sprach
welt.de

Terrorcode oder Mathematik
Die Berechnungen eines Professors werden von einer Frau für Terrorcode gehalten...
nzz.ch

Wikipedia zur TSA
Artikel zur Transportation Security Administration und der Effizienz derer Kontrollen (Englisch)
wikipedia.org

Aufgrund der kürzlichen Meldungen sollte es jedem klar sein: Wer keine Passagierinnen (es waren in beiden Fällen Frauen, welche die 'Missetäter' meldeten) verängstigen will, sollte es unterlassen, Dinge zu tun, die irgendwie, irgendwem Angst machen könnten. Orientieren Sie sich dabei möglichst am Verhalten wirklicher Terroristen, die sich ja - bis zum Anschlag - so unauffällig wie möglich verhalten.

1. Sehen sie nicht fremdländisch aus!

Ja, das ist womöglich schwierig. Momentan ist vor allem alles, das irgendwie orientalisch aussieht, verdächtig. Es ist dabei egal, ob sie in Tat und Wahrheit Spanier, Tessiner, Kolumbianer, Perser oder tatsächlich Araber sind. Überlegen Sie, vor Flugreisen Bleichcrème auf Gesicht und Handrücken aufzutragen, färben Sie Ihre Haare von schwarz auf einen Braunton und überlegen Sie sich gefärbte Kontaktlinsen. Sie sollten dabei Ihr Aussehen aber nur so stark verändern, dass Sie ihren Identifikationspapieren noch ähnlich genug sehen, um vom Sicherheitspersonal überhaupt ins Flugzeug eingelassen zu werden. Es ist ein dünner Grat, aber warum müssen Sie auch so aussehen, wie sie aussehen? Eben.

2. Keine Bücher!!

Naja, dieser Tipp ist ein wenig übertrieben. So sind Biographien von Ronald Reagan, Donald Trumps «The Art of the Deal», Manifeste der National Rifle Association, Verschwörungsliteratur zu Klimawandel, Waffengesetzen, 9/11 und Barack Obamas Geburtsort, homophobe Literatur und die Bibel erlaubt. Auf keinen Fall sollten Sie Anleitungen zum Bombenbau, und fremdsprachige oder gar in fremden Alphabeten verfasst Literatur hervornehmen. Ausser sie sind scharf auf eine Nacht im Flughafenhotel nach einer längeren Unterredung mit dem Sicherheitspersonal. Sollten sie trotzdem etwas Verdächtiges lesen wollen, benutzen sie einen E-Reader oder ein Tablet. Diesen sieht man nicht an, was darin für Bücher gespeichert sind.

3. Teppichmuster: Nein!

Dieser Tipp ist nur für eine winzige Zahl möglicher Passagiere gedacht, aber trotzdem: Sollten Sie Teppichverkäufer sein, lassen sie ihr Musterbuch im Koffer. Ansonsten glaubt einer Ihrer Mitpassagiere noch, sie wollten einen Gebetsteppich zusammen setzen und als nächstes gegen Mekka beten, bevor Sie ihre Schuhbomben zünden.

4. Schreiben? Nicht auf Papier!

Wobei hier zu differenzieren ist. Sie können jederzeit alles mögliche in ihr Smartphone oder Tablet eintippen. Und seien es Codes, um in den Flügeln versteckte Bomben scharf zu stellen. Was wirklich verdächtig ist, sind Bleistift, Kuli und Papier. Solche Schreibutensilien werden nur von Leuten benutzt, die etwas zu verstecken haben. Hätte der Professor, der Anfang Mai wegen des Aufschreibens von Differentialgleichungen bei seiner Sitznachbarin Terrorpanik verursacht hat, statt eines Notizblockes einen Laptop oder Tablet benutzt, wäre rein gar nichts passiert.

Wie schon bei Punkt zwei muss auch hier klar gesagt werden: Papier ist verdächtig! Und wenn Sie es nicht lassen können: Schreiben Sie in klar erkennbarer Blockschrift und verwenden Sie um Himmels Willen keine Formeln, die über Primar-Schul-Niveau hinaus gehen!

5. Nur Englisch reden - womöglich mit Südstaatenakzent

Fremdsprachen auf Inlandflügen in den USA sind absolutes Tabu. Vielleicht noch spanisch, aber selbst das ist grenzwertig. Sollten Sie ihre Frau in der Schweiz anrufen, vergessen Sie 'Züridütsch', 'Wassiserisch' oder gar 'Berndütsch'. Das tönt in den Ohren eines paranoiden Trump-Wählers, als würden Sie dem ISIS-Hauptquartier ein Schlussbriefing vor dem Detonieren des Sprengstoffgürtels liefern. Bleiben Sie bei Englisch und - sollten Sie diesen beherrschen - verwenden Sie einen Südstaaten-Akzent. Good Old Boys und Steel Magnolias aus dem Süden zünden höchstens Kirchen von schwarzen Gemeinden an, oder sprengen Regierungsgebäude mit Düngerbomben in die Luft. Flugzeuge lassen die in Ruhe.

6. Betonen Sie nicht, wie glücklich sie mit den Sicherheitskontrollen sind

Sollten Sie Smalltalk mit ihrem Sitznachbarn beginnen, betonen Sie besser nicht, wie froh sie über die Sicherheitskontrollen der Transport Security Administration (TSA) am Flughafen sind. Stichproben von offiziellen Stellen haben ergeben, dass die TSA-Angestellten in 95% der Fälle versagten, wenn versucht wurde, verbotene Gegenstände an Bord zu schmuggeln. Wer über die nervigen, unnützen Kontrollen der TSA glücklich ist, sagt damit womöglich, dass er happy sei, ohne Problem eine Bombe an Bord schmuggeln zu können. Und wenn das nicht verdächtig ist, was dann?

7. Kein Turban. OK?

OK, sie sind ein Sikh. Aber da der durchschnittliche Amerikaner einen Sikh nicht von einer Erdkastanie unterscheiden kann, da er beide nicht kennt, gelten Sie mit ihrem traditionellen Turban automatisch als radikaler Islamist, der hundert Kilo Sprengstoff unter seinem Turban versteckt hat. Da Sie zudem auch noch einen Bart haben und orientalisch aussehen, könnten Sie ebenso gut mit einer Kalaschnikow herum wedeln. Tun Sie sich einen Gefallen: Mieten Sie ein Auto und fahren Sie die 3000 Kilometer. Das geht schneller.

Fazit: Sie sehen: Es ist so einfach, unverdächtig und unbelästigt in den USA zu reisen und sicher abzuheben, wenn Sie sich nur an einige einfache Regeln halten, nicht irgendwie komisch aussehen oder angezogen sind, nicht merkwürdig reden und kein unverständliches Zeug schreiben oder lesen.

(Patrik Etschmayer/news.ch)

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