«Jetzt ist die Zeit!»
Katalanen demonstrieren für Unabhängigkeit
publiziert: Donnerstag, 11. Sep 2014 / 14:19 Uhr / aktualisiert: Donnerstag, 11. Sep 2014 / 21:12 Uhr
Etwa 1,8 Millionen Spanier nahmen an der Demo teil. (Symbolbild)
Etwa 1,8 Millionen Spanier nahmen an der Demo teil. (Symbolbild)

Barcelona - In Barcelona haben am Donnerstag hunderttausende Katalanen für einen eigenen Staat demonstriert. Das Motto der Kundgebung in den katalanischen Farben Rot und Gelb lautete «Jetzt ist die Zeit!».

6 Meldungen im Zusammenhang
Nach Schätzung des Rathauses strömten 1,8 Millionen Teilnehmer zusammen und verlangten volle Souveränität für Katalonien. Madrid gab die Zahl der Teilnehmer mit einer halben Million an.

Die Regionalregierung will die Katalanen am 9. November über ihre Unabhängigkeit abstimmen lassen, obwohl die spanische Zentralregierung das Vorhaben als illegal betrachtet.

«Am 9. November werden wir wählen. Am 9. November werden wir gewinnen», stand auf dem Führungsbanner des Demonstrationszuges, der zwei zentrale Verkehrsadern in Barcelona blockierte. Dabei bildete die Menschenmasse in Anlehnung an «Victoria» (Sieg) ein «V».

«Unsere Kultur, unsere Sprache und unsere Traditionen müssen respektiert werden», forderte ein mitmarschierender Student. «Aber wir haben erkannt, dass das in diesem Staat unmöglich ist.»

Brisant wie nie

Die Forderung nach Unabhängigkeit ist nicht neu, so brisant wie dieser Tage war sie aber noch nie: In Schottland wird in einer Woche über die Frage abgestimmt, ob es zu einer Loslösung von Grossbritannien kommt.

Sollten die Schotten das Vereinte Königreich verlassen - worauf jüngste Umfragen hinzudeuten scheinen - erhoffen sich die Katalanen unter anderem Aufschluss darüber, was das für die EU-Mitgliedschaft bedeutet.

Der katalanische Präsident Artur Mas hatte sich am Mittwoch in einem Interview abermals für einen Volksentscheid über die Loslösung der autonomen Region von Spanien ausgesprochen: «Wenn eine Nation wie Schottland wählen darf, warum nicht Katalonien?», fragte er. «Wenn das katalanische Volk über seine Zukunft abstimmen möchte, ist es praktisch unmöglich, es auf ewig daran zu hindern.»

Die Grossdemonstration in Barcelona fiel zeitlich zusammen mit dem «Nationalfeiertag» (Diada). Dabei wird an die Eroberung Barcelonas am 11. September 1714 durch spanische und französische Truppen während des spanischen Erbfolgekriegs erinnert. Das Datum wird von vielen Katalanen als Schicksalstag betrachtet, an dem sie ihre Selbstbestimmung verloren.

Autonome Region im Nordosten

Katalonien liegt im Nordosten Spaniens und verfügt über ein eigenes Parlament und eine Regierung. Die autonome Region, die mit Katalanisch auch eine eigene Sprache hat, erwirtschaftet etwa ein Fünftel des spanischen Bruttoinlandsprodukts.

Besonders laut wurden die Rufe nach staatlicher Souveränität, als der spanische Staat im Zuge der Finanzkrise ab 2008 viele Milliarden Euro in den taumelnden Finanzsektor des Landes pumpte.

Zwar hatte sich Katalonien schon im Jahr 2006 zur «Nation» erklärt, doch das spanische Verfassungsgericht erkannte der Region diesen Status wieder ab. Auch der neuerliche Vorstoss für ein Unabhängigkeitsreferendum könnte am Widerstand der Richter in Madrid scheitern.

Die 86-jährige Lourdes Castellseguer, die in Barcelona auf einen Stock gestützt demonstrierte, gab sich dennoch optimistisch. «Es wird nicht einfach, weil sie uns jede Menge Knüppel zwischen die Beine werfen werden», sagte die Rentnerin. Trotzdem rechnet sie mit einem Erfolg und hofft, «dass ich den auch noch erleben werde».

(bg/sda)

?
Facebook
SMS
SMS
0
Forum
Kommentieren Sie jetzt diese news.ch - Meldung.
Lesen Sie hier mehr zum Thema
Falls Madrid vor das Verfassungsgericht zieht, würde das Dekret der katalanischen Regionalregierung automatisch ausser Kraft gesetzt. (Symbolbild)
Barcelona - Der katalanische Regionalpräsident Artur Mas hat am Samstag eine Volksabstimmung über die Unabhängigkeit Kataloniens von Spanien angesetzt. Die spanische Regierung ... mehr lesen
In Katalonien wird rund ein Fünftel des spanischen Bruttoinlandsprodukts erwirtschaftet.
Madrid - Spanien will die Katalanen ... mehr lesen
Barcelona - Die Katalanen wollen in einem Referendum über die Unabhängigkeit ihrer Region im Nordosten Spaniens abstimmen. Das katalanische Regionalparlament beschloss in Barcelona, in Madrid offiziell einen Antrag auf eine entsprechende Volksabstimmung zu stellen. mehr lesen 
Weitere Artikel im Zusammenhang
.
Digitaler Strukturwandel  Nach über 16 Jahren hat sich news.ch entschlossen, den Titel in seiner jetzigen Form einzustellen. Damit endet eine Ära medialer Pionierarbeit. mehr lesen 21
Gezi Park Proteste in Istanbul in 2013. (Archivbild)
Gezi Park Proteste in Istanbul in 2013. ...
«Überall ist Taksim, überall ist Widerstand»  Istanbul - Zum dritten Jahrestag des Beginns der Gezi-Proteste haben in Istanbul Hunderte Menschen gegen die islamisch-konservative Staatsführung der Türkei demonstriert. mehr lesen 1
Keine unabhängigen Informationen  Beirut - Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) hat ihre Offensive im Norden Syriens am Dienstag fortgesetzt. ... mehr lesen   1
Idlib wurde mindestens sieben Mal aus der Luft angegriffen.
Der deutsche Bundespräsident Joachim Gauck nahm an der Gedenkfeier teil.
Erster Weltkrieg  Hamburg - Zum 100. Jahrestag der Skagerrak-Schlacht haben Deutschland und Grossbritannien am Dienstag gemeinsam der tausenden Toten des grössten Seegefechts der Geschichte ... mehr lesen  
Gotthard 2016  Berlin - «Tunnel» - mit sechs Riesenbuchstaben feiert die Schweizer Botschaft in Berlin die Eröffnung des neuen Gotthard-Basistunnels. Während zwei Monaten wird der ... mehr lesen 1
Die Schweizer Botschaft in Berlin mit Tunnel-Schriftzug.
Titel Forum Teaser
  • keinschaf aus Wladiwostok 2826
    belustigend peinlich Das kommt schon fast in die Nähe der Verwechslung von Oekonomie mit ... Mi, 28.12.16 01:21
  • Unwichtiger aus Zürich 11
    Grammatik? Wie kann Stoltenberg denn Heute schon wissen, welche Entscheidungen am ... Sa, 22.10.16 10:59
  • Kassandra aus Frauenfeld 1781
    Der phallophile Blick eines cerebrophoben Schäfleins! Frau Stämpfli schrieb am Ende ... Mo, 26.09.16 17:32
  • keinschaf aus Wladiwostok 2826
    phallophobe Geschichtsrückblicke "Und die grösste Denkerin des 21. Jahrhunderts? Verdient ihr Geld mit ... Sa, 13.08.16 17:48
  • Kassandra aus Frauenfeld 1781
    Alle Demonstranten gefilmt. Der Erdogan lässt doch keine Domo gegen sich zu! Die ... Di, 21.06.16 16:42
  • Kassandra aus Frauenfeld 1781
    Konzernrecht? Konzernpfusch! Was ist denn das? Konzerne werden vorwiegend von Vollidioten geführt. ... Fr, 10.06.16 17:49
  • Kassandra aus Frauenfeld 1781
    Das wird die Deutschen aber traurig machen. Wenn man keinen Flughafen und keinen Bahnhof ... Mi, 08.06.16 17:49
  • zombie1969 aus Frauenfeld 3945
    Der... Daesh (IS) kommt immer mehr unter Druck. Davon sind inzwischen auch ... Do, 02.06.16 19:22
Jonathan Mann moderiert auf CNN International immer samstags, um 20.00 Uhr, die US- Politsendung Political Mann.
CNN-News Was würde «Präsident Trump» tatsächlich bedeuten? Noch ist absolut nichts sicher, doch es ...
 
Stellenmarkt.ch
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
Heute Do Fr
Zürich 13°C 29°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig vereinzelte Gewitter vereinzelte Gewitter
Basel 14°C 30°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig vereinzelte Gewitter vereinzelte Gewitter
St. Gallen 15°C 25°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig Wolkenfelder, kaum Regen recht sonnig
Bern 14°C 29°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig recht sonnig recht sonnig
Luzern 15°C 29°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig vereinzelte Gewitter vereinzelte Gewitter
Genf 15°C 31°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig Wolkenfelder, kaum Regen recht sonnig
Lugano 17°C 28°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig recht sonnig freundlich
mehr Wetter von über 8 Millionen Orten