Premierminister Villepin auf Thatcher-Kurs
publiziert: Montag, 27. Mrz 2006 / 20:14 Uhr

Paris - Tag der Entscheidung in Frankreich: Sieben Wochen nach den ersten Massendemonstrationen wollen Gewerkschaften und Studenten der Arbeitsrechtsreform am Dienstag mit umfassenden Streiks den Todesstoss versetzen.

Premierminister de Villepin kämpft um sein politisches Überleben.
Premierminister de Villepin kämpft um sein politisches Überleben.
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Premierminister Dominique de Villepin ist im Regierungslager zunehmend isoliert und kämpft um sein politisches Überleben. Die Gewerkschaften sehen einen grundsätzlichen Angriff auf ihre Rechte und wollen hart bleiben. «Alle Zutaten für ein Katastrophenszenario sind da», meint die Zeitung «France Soir».

Angesichts der aufgeheizten Stimmung zweifelt kaum einer am Erfolg des Streiktags. Entscheidend ist aber, was danach kommt. «Wir müssen nur zwei Wochen bis zu den Ferien durchhalten», erklärte ein Mitarbeiter Villepins. Doch ein «Augen zu und durch» könnte den Flächenbrand weiter anfachen.

Vereint wie lange nicht

Schon jetzt erlebt Frankreich die grössten Studentenproteste seit Mai 1968, und die Gewerkschaften sind vereint und entschlossen wie lange nicht mehr.

«Dominique de Villepin spielt Margaret Thatcher, doch nicht im richtigen Augenblick und nicht beim richtigen Thema», klagt François Fillon, der bis vor einem Jahr als Arbeits- und als Bildungsminister mit Villepin am Kabinettstisch sass.

Der Napoleon-Bewunderer Villepin wirkt gefangen in seiner forschen Unnachgiebigkeit. Knickt er ein, verliert er nach Pariser Lesart das Gesicht und hat keine Chance mehr, Jacques Chirac 2007 als Präsident zu beerben.

Zuwenig Zeit um durchzuhalten

Doch ihm fehlt Zeit, um wie die britische «Eiserne Lady» Thatcher durchzuhalten, bis der Gewerkschaftsbewegung das Rückgrat gebrochen ist. Zwei Drittel der Franzosen lehnen seinen Konfrontationskurs ab, und im eigenen Lager lauern Königsmörder.

Innenminister Nicolas Sarkozy, der einst selbst als Thatcher-Klon galt, destabilisiert Villepin mit Aufrufen zum Kompromiss. Und Verteidigungsministerin Michèle Alliot-Marie erklärt ganz unschuldig, sie würde Reformen völlig anders anpacken: mit sozialem Dialog und Praxistests.

Zweite Gefahr aus den Einwanderervierteln

Während in der Studentenbewegung der Ruf nach einem Rücktritt Villepins laut wird, erwächst dem Premier Gefahr noch aus einer anderen Ecke: den Einwanderervierteln.

Anfangs war den halbstarken Vorstadtrowdys der Sozialkonflikt völlig egal. Doch seit vergangener Woche nutzen sie die Massenproteste zunehmend zu Beutezügen im Herzen der Städte. Vergangenen Donnerstag zählte die Polizei mehr als 2000 «Casseurs» alleine in Paris.

(Hans-Hermann Nikolei/dpa/sda)

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