Wundermittel für Billigschnitzel geopfert
publiziert: Freitag, 30. Mrz 2012 / 11:10 Uhr
Kristalle des Antibiotikums Cefftriaxon: Wundermittel, fahrlässig verschwendet.
Kristalle des Antibiotikums Cefftriaxon: Wundermittel, fahrlässig verschwendet.

Mitunter gibt es wahre Wundermittel, Substanzen, die Leben retten und Leiden verkürzen. Dass wir dabei sind, ausgerechnet eine Klasse solcher Mittel fahrlässig, leichtsinnig ja geradezu idiotisch zu verschwenden und wertlos zu machen ist eines der grossen Dramen der Gegenwart, das fast niemand wahrnehmen will.

2 Meldungen im Zusammenhang
Vielleicht haben Sie, geschätzter Leser, bemerkt, dass die Kolumnen dieses Autors in letzter Zeit etwas spärlich geflossen sind. Dies lag nicht daran, dass er auf der faulen Haut lag (obwohl, liegen tat er - mehr als ihm lieb war), sondern an einer banalen Erkältung, die sich nach einigen Tagen in etwas weniger banales verwandelt hatte.

Fieber und Husten blieben auf einmal gleich, tagelang und der Arzt, der schliesslich den Patienten untersuchte, befand, dass dies eine bakterielle Bronchitis sei und nur Antibiotika dagegen wirken würden. Das verschriebene Medikament schlug glücklicherweise auch schnell an und langsam setzte die Heilung ein.

Bei einem Anruf, bei dem er sich nach dem Heilfortgang erkundigte, bemerkte der Arzt noch: «In den dreissiger Jahren ist man an solchen Krankheiten noch gestorben.». Was er nicht sagte war, dass es durchaus sein könnte, dass man in den 30er Jahren dieses Jahrhunderts auch wieder daran sterben könnte.

Denn die Antibiotika verlieren zunehmend ihre Wirkung. Nicht zuletzt weil sie falsch und fahrlässig benutzt werden. Und zudem an Orten, wo sie nichts zu suchen haben. Doch machen wir uns zuerst einmal klar, was wir mit den Antibiotika wegen der zunehmenden Resistenzen zu verlieren drohen.

Dass Sie nun an einem Computer oder mit dem Handy da sitzen und diese Kolumne online lesen, scheint ja ein prägendes Merkmal unserer Zeit zu sein. Wir leben, heisst es, im online-Zeitalter und diese Technologie sei jene, die unseren Alltag prägt. Kokolores.

Was unseren Alltag prägt ist, dass Sie möglicherweise schon mehrmals Infektionen überlebten, die eigentlich tödlich gewesen wären und dies nicht als Besonderheit wahrnehmen. So ist es für uns normal, dass ein Husten als Lästigkeit und nicht als Bedrohung des Lebens wahrgenommen wird, dass ein Schnitt beim Rasieren, der sich infiziert, nicht nach drei Wochen ins Grab führt sondern immer noch wirksam behandelt werden kann. Unser Leben wird geprägt davon, dass wir nicht in ständiger Angst leben, dass unsere Kinder an der nächsten Erkältung, die nicht gleich verheilt, sterben werden und dass nach einem Unfall nicht die Infektionen die grösste Bedrohung für unser Leben sind. Wir haben den Schrecken von Infektionen dank der Antibiotika so gründlich vergessen, dass nur die wenigsten sich dessen bewusst sind, an welch banalen Dingen vor nicht einmal hundert Jahren noch gestorben wurde.

I-Pad, Android-Phone und Cloud-Computing. Vergesst den Quatsch. Dass sind die Streusel auf unserem Leben, die es nett und Unterhaltsam machen, während wir gar nicht merken, dass wir immer noch im Antibiotika-Alter leben, einer Ära, die zu Ende zu gehen droht, weil zum Beispiel Viehzüchter ihren Tieren diese Wunderwaffe gegen Bakterien als Mastbeschleuniger verfüttern und so Resistenzen in der ganzen Welt verbreiten, so dass ganze Medikamentenklassen wirkungslos wurden, nur um Schnitzel billiger zu machen.

Doch auch blöde Patienten trugen und tragen zum Niedergang bei: Sobald es ihnen etwas besser geht, setzten sie eigenmächtig die «bösen» Antibiotika ab - zum Teil auf Anraten von Alternativmedizinern - und züchten so in sich selbst resistente Keime, die das nächste Mal den Medikamenten widerstehen.

So leert sich das Waffenarsenal gegen Bakterien immer mehr. Und Nachschub ist nicht in Sicht, nicht zuletzt weil die grossen Pharmafirmen nicht an diesen billigen Massenmedikamenten interessiert sind: Zu wenig Gewinn. Vermutlich ändert sich das erst, wenn das Kind eines Pharma-CEO einer Infektion erliegt, weil keines dieser billigen Banalmedikamente mehr wirkt.

Falls wir nicht in die so gründlich vergessenen Zeiten von Sepsis und Lungenentzündung, Bronchitis und Blutvergiftung zurück fallen wollen, muss etwas passieren. Zum Einen muss die Verwendung von Antibiotika ausserhalb des Gesundheitswesen stark eingeschränkt werden. Zum Anderen müssen nicht Gewinn orientierte Forschungseinrichtungen an Universitäten dringend beginnen, neue Klassen von Antibiotika zu erforschen und so auch unseren Kindern und Kindeskindern so wirksame Waffen gegen Mikroben in die Hand zu geben, wie wir sie hatten und in den letzten Jahren verantwortungslos verschwendet haben.

(Patrik Etschmayer/news.ch)

?
Facebook
SMS
SMS
4
Forum
Lesen Sie hier mehr zum Thema
Bern - Resistente Bakterien in der Nutztierhaltung sind auch für die Humanmedizin ein Problem. 2011 haben vor allem ... mehr lesen
Massentierhaltung wird zum Problem.
Der Genfersee.
Dübendorf/Lausanne - Wasserforscher haben im Sediment des Genfersees erhöhte Mengen von Keimen gefunden, die gegen ... mehr lesen
...und
jede neue Klasse von Antibiotika schafft eine neue Klasse resistenter Erreger, wenn auch etwas zeitversetzt. Antibiotika war und ist nie die beste Lösung. Das die Einnahme über einen gewissen Zeitraum resistente Bakterien vermeidet, ist ein Märchen. Oder haben Sie etwa ihren Stuhlgang während der Einnahme sterilisieren lassen? Denken, dann schreiben.
Keine Sorge
Dann würde Surviving of the fittest wieder funktionieren. Momentan überleben einfach zuviele nicht überlebenswerte Organismen. Aber keine Angst. Kollodiales Silber wirkt weit besser als Antibiotika. Nur hat das die Pharma-Lobby lange unter den Teppich gekehrt. Also bloss keine Panik Herr Etschmayer und essen Sie ruhig weiter Ihr Antibiotika-Schnitzel. Etsch.
Es gibt viele Beispiele in der Art ...
Das verbrennen von fossilen Brennstoffen wie Öl ist doch viel schlimmer - eines Tages ist alles verbraucht nichts mehr übrig. Rohöl ist auch ein wichter Bestandteil von Medikamenten!

Ansonsten kann mir keiner erzählen das Problem mit Antibiotika im Fleisch sei neu ...
Was kommt zuerst
Die Frage ist eigentlich nur noch was uns zuerst erledigen wird in den 30er Jahren, was wirklich nicht mehr so lange hin ist wenn man es mal ausrechnet.

Es kommen da viele Dinge in Frage.

Die von Ihnen erwähnte Antibiotikaresistenz

Ein Atom Super GAU inmitten Europas

Anarchie (ausgelöst durch die zunehmende Verarmung des Mittelstands zugunsten der Superreichen, oder einfach gesagt Neoliberalismus)

Ein Komet

Ein dritter Weltkrieg

Eine Schweine/Vogel oder sonstwas Grippe

Die Impfung dagegen

Präsidentin Sarah Palin, weil sie ausversehen einen Atomangriff auf Europa startet

Das Militär, das von der Kaste der Supereichen gegen das gemeine aufsässige Volk eingesetzt wird.

Einiges ist sicher viel wahrscheinlicher als das andere. Aber potential ist reichlich da.

Wir werden es sehen.
Protest in New York gegen die Grand Jury Entscheidung: Protest gegen institutionalisierte Unterdrückung.
Protest in New York gegen die Grand Jury ...
Gegen den Polizisten, der den unbewaffneten und vor allem schwarzen Jugendlichen Michael Brown in Ferguson, Missouri mit sechs Schüssen erschossen hat, wird nach einer undurchsichtigen, sehr langen Grand Jury Beratung keine Anklage erhoben. Eine Welle der Empörung - auch aus Europa - ist sicher. Mit welchem Recht? mehr lesen 
Wissenschaft hat momentan eine schlechte Reputation. Was absurd ist. Denn die meisten, die Wissenschaft kritisieren, leben nur, weil es diese gibt. Doch Wissenschaft ist unbequem. Und während jeder Anspruch auf die eigene Meinung haben kann, hat noch lange niemand Anspruch auf die eigenen Fakten. Doch genau dieser Anspruch wird von Politik und Interessengruppen erhoben. mehr lesen   7
Lange Zeit stand die Schweiz im Zentrum aller Steuerdebatten mit dem Ausland. Doch die jüngsten Enthüllungen über Luxemburg und die noch jüngeren über Holland lassen einen hier fast schon frohlocken, denn es ist ... mehr lesen 3
EU-Kommissionspräsident Juncker: Ganz entspannt trotz Enthüllungen.
Süsses oder Saures - Siech bedeutet vieles.
Typisch Schweiz Der Siech, der Cheib und der huere Michi! Während es in der deutschen Sprache eine Vielzahl ...
Eine bürgerliche Minderheit wollte wegen jugendlichen Trinkexzessen nicht das ganze Schweizer Volk bevormunden.
Shopping Ständerat bleibt bei Nachtverkaufsverbot für Alkohol Bern - Zwischen 22 und 6 Uhr soll kein Alkohol in Läden verkauft werden dürfen: Auf diesem Nachtverkaufsverbot hat der Ständerat am Montag mit 24 ...
Jürg Zentner gegen den Rest der Welt.
Jürg Zentner
Gewalt wird nicht immer so leicht erkannt - vor allem nicht, wenn sie durch die Gesellschaft akzeptiert ist.
Regula Stämpfli seziert jeden Mittwoch das politische und gesell- schaftliche Geschehen.
Regula Stämpfli
Protest in New York gegen die Grand Jury Entscheidung: Protest gegen institutionalisierte Unterdrückung.
Patrik Etschmayers exklusive Kolumne mit bissiger Note.
Patrik Etschmayers
Es hat sich viel geändert in Myanmar: Zeitungen der freien Presse - vor drei Jahren noch undenkbar.
Peter Achten zu aktuellen Geschehnissen in China und Ostasien.
Peter Achten
Ungeliebt beim Gemüsefachmann U.M.: Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte
Skeptischer Blick auf organisierte und nicht organisierte Mythen.
Freidenker
Stellenmarkt.ch
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
Seite3.ch
wetter.ch
MI DO FR SA SO MO
Zürich 4°C 7°C leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt
Basel 5°C 8°C leicht bewölkt, wenig Regen leicht bewölkt, wenig Regen leicht bewölkt, wenig Regen leicht bewölkt, wenig Regen leicht bewölkt, wenig Regen leicht bewölkt, wenig Regen
St.Gallen 5°C 7°C leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt
Bern 6°C 9°C leicht bewölkt, wenig Regen leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt
Luzern 7°C 9°C leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt
Genf 7°C 11°C stark bewölkt, wenig Regen leicht bewölkt, wenig Regen leicht bewölkt, wenig Regen leicht bewölkt, wenig Regen leicht bewölkt, wenig Regen leicht bewölkt, wenig Regen
Lugano 8°C 9°C bedeckt, wenig Regen bedeckt, wenig Regen bedeckt, wenig Regen bedeckt, wenig Regen bedeckt, wenig Regen
mehr Wetter von über 6000 Orten