Nach Terroranschlag
Lage im Jemen gerät ausser Kontrolle
publiziert: Sonntag, 22. Mrz 2015 / 17:19 Uhr / aktualisiert: Sonntag, 22. Mrz 2015 / 17:39 Uhr

New York - Die Lage im Jemen gerät zunehmend ausser Kontrolle. Nachdem Präsident Abed Rabbo Mansur Hadi die Hafenstadt Aden zur neuen Hauptstadt ausgerufen hatte, rückten die schiitischen Huthi-Milizen in die drittgrösste Stadt des Landes, Tais, ein und besetzten den Flughafen.

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Augenzeugen berichteten zudem über Dutzende Panzer und andere Militärfahrzeuge der Huthi, die auf dem Weg vom Norden nach Tais seien. Unterstützt wurden sie nach Angaben aus Sicherheitskreisen von Spezialkräften des 2012 entmachteten Präsidenten Ali Abdallah Saleh.

Die Stadt liegt auf halbem Wege zwischen der von den Huthis kontrollierten Hauptstadt Sanaa und der Hafenstadt Aden im Süden Jemens, wo Präsident Abed Rabbo Mansur Hadi Zuflucht gefunden hat. Dieser appellierte an den UNO-Sicherheitsrat, mit allen Mitteln zu intervenieren, um den Putsch und die Aggression in seinem Land zu stoppen.

UNO-Sicherheitsrat mit Dringlichkeitssitzung

In einem Brief an das höchste UNO-Gremium bat er die Weltgemeinschaft um ein «dringendes Eingreifen mit allen verfügbaren Mitteln». Der Rat wird im Laufe des Sonntags zu einer Dringlichkeitssitzung zusammenkommen.

Angesichts der eskalierenden Gewalt zogen die USA Soldaten und ihre verbliebenen Diplomaten aus dem Jemen ab. Das Militärpersonal habe den Luftwaffenstützpunkt Al-Anad im Süden des Landes «mit unbekanntem Ziel» verlassen, hiess es aus jemenitischen Armeekreisen. Begründet wurde dies mit der unsicheren Lage.

Die jemenitische Regierung hatte kürzlich eingeräumt, dass die US-Armee von Al-Anad aus Informationen über Ziele für Drohnenangriffe gegen Al-Kaida sammle. Seine Botschaft in Sanaa hatte Washington schon vor Wochen geschlossen.

Für die USA hatte der Jemen eine Schlüsselstellung in ihrem Kampf gegen den Terrorismus. Sie griffen mehrfach mit unbemannten Flugzeugen Unterschlüpfe des radikal-islamischen Terrornetzwerkes Al-Kaida an, das im Jemen einen Rückzugsort gefunden hatte.

Zweifel an IS-Bekenntnis

Neben Al-Kaida scheint auch die andere Extremistenmiliz - der sogenannte Islamische Staat (IS) - ihren Einfluss im Jemen auszuweiten. Am Freitag bekannten sich diese zu einem Anschlag auf Schiiten in zwei Moscheen von Sanaa, bei dem mindestens 137 Menschen getötet und 345 verletzt wurden.

Die USA zweifelten jedoch an dem IS-Bekenntnis. Gegenwärtig werde überprüft, ob Verbindungen des IS über dessen Kerngebiete in Syrien und dem Irak hinaus in den Jemen bestünden, sagte Jeff Rathke, Sprecher im US-Aussenministerium, vor Journalisten in Washington.

Das mit dem IS rivalisierende Terrornetzwerk Al-Kaida verurteilte die Anschläge als «gesetzeswidrig». Al-Kaida hatte sich bereits in der Vergangenheit von Anschlägen auf Moscheen distanziert.

Bürgerkrieg droht

Daneben droht der Machtkampf im Jemen immer mehr, sich in einen Bürgerkrieg auszuweiten, in den auch die benachbarten und miteinander rivalisierenden Regionalmächte Saudi-Arabien und Iran hineingezogen werden könnten.

Die Allianzen in dem von Stammesstrukturen geprägten Land sind dabei fliessend und teilweise unübersichtlich. Die Huthi-Miliz stützt sich auf die schiitischen Muslime, die etwa ein Fünftel der jemenitischen Bevölkerung ausmachen. Sie soll vom ebenfalls schiitischen Iran unterstützt werden. Wie eng diese Beziehungen sind, ist allerdings unklar.

Auch Saleh mischt mit

Einfluss auf die Huthi-Miliz soll auch der ehemalige Präsident Ali Abdullah Saleh haben, der seit 1978 an der Macht war und nach Massenprotesten 2011 seine politischen Funktionen aufgeben musste. Ihm wird nachgesagt, zusammen mit den Huthi den Sturz von Staatschef Hadi zu betreiben.

Hadi war nach dem Einmarsch der Huthi in Sanaa im Januar zurückgetreten und unter Hausarrest gestellt worden. Er konnte sich dem aber entziehen und floh nach Aden. In einer Fernsehansprache erklärte Hadi die bis 1990 als Hauptstadt der Volksdemokratischen Republik Jemen fungierende Hafenstadt am Samstag zur neuen offiziellen Hauptstadt des zerrissenen Landes.

Das im Süden gelegene Aden werde «vorübergehend» die bisherige Hauptstadt Sanaa ablösen, sagte Hadi. Am Sonntag flog ein unbekanntes Flugzeug über seine dortige Residenz. Offenbar wegen des einsetzenden Abwehrfeuers drehte es schliesslich ab.

(nir/sda)

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