Beamte unter Druck
Polizei schon früh über Kölner Übergriffe informiert?
publiziert: Freitag, 8. Jan 2016 / 00:47 Uhr
Die Polizei steht unter Beschuss. (Symbolbild)
Die Polizei steht unter Beschuss. (Symbolbild)

Berlin - Der Kölner Polizeipräsident Wolfgang Albers gerät nach den Übergriffen in der Silvesternacht unter Druck. Nach Angaben eines leitenden Beamten war die Polizei bereits frühzeitig über Ausmass und Dramatik der Übergriffe informiert.

9 Meldungen im Zusammenhang
Auf die Beamten seiner Hundertschaft seien bereits bei der Ankunft am Hauptbahnhof deutlich vor Mitternacht viele aufgewühlte Passanten zugelaufen und hätten von Schlägereien, Diebstählen und sexuellen Übergriffen auf Frauen berichtet, schrieb der Beamte im Bericht, der am Donnerstag der Nachrichtenagentur dpa vorlag. Die Polizei habe Schwerverletzte oder Tote befürchtet und daher um 23.30 Uhr mit der Räumung des Platzes zwischen Bahnhof und Dom begonnen.

In der ersten Pressemitteilung der Polizei am Neujahrsmorgen war die Stimmung in der Innenstadt dagegen als «friedlich» bezeichnet worden. Erst zwei Tage nach Silvester hatte die Polizei über Übergriffe informiert.

«Spiessrutenlauf»

Hingegen schreibt der Bundespolizist: «Frauen mit Begleitung und ohne durchliefen einen im wahrsten Sinne »Spiessrutenlauf« durch die stark alkoholisierten Männermassen, wie man es nicht beschreiben kann». Viele weinende und schockierte Frauen und Mädchen hätten den Beamten von sexuellen Übergriffen berichtet.

Hätten die Beamten Hilferufe wahrgenommen, seien sie von Umstehenden, die Ringe um Täter und Opfer gebildet hätten, am Einschreiten gehindert worden. Daher sei auch eine Identifizierung der Angreifer nicht möglich gewesen.

Wegen der ständigen Präsenz der Polizei und aufmerksamer Passanten hätten Vergewaltigungen verhindert werden können. Massnahmen der Polizei sei mit einer Respektlosigkeit begegnet worden, wie er sie in 29 Dienstjahren noch nicht erlebt habe, schrieb der Beamte.

Auffällig sei die «sehr hohe Anzahl an Migranten innerhalb der polizeilichen Massnahmen» gewesen. Da die Polizei «nicht jedem Opfer einer Straftat helfen und den Täter dingfest machen konnte, kamen die eingesetzten Beamten an die Grenze zur Frustration», schreibt der Bundespolizist im Bericht, der zunächst der «Bild»-Zeitung und dem Magazin «Der Spiegel» vorgelegen hatte.

Die Bundespolizei bestätigte am Donnerstag die Echtheit des Berichts, den die «Bild» veröffentlichte. Sie erklärte, sie wolle den Bericht derzeit öffentlich nicht bewerten. Er fliesse aber in die Nachbereitung des Einsatzes ein, sagte ein Sprecher.

Merkel: «Widerwärtigen Taten»

«Was in der Silvesternacht passiert ist, das ist völlig inakzeptabel», sagte die deutsche Kanzlerin Angela Merkel am Donnerstag in Berlin. «Es sind widerwärtige, kriminelle Taten, (...) die Deutschland nicht hinnehmen wird.» Wenn sich Frauen schutzlos und ausgeliefert fühlten, sei das auch für sie persönlich unerträglich.

Es müsse geklärt werden, ob es in manchen Gruppen Frauenverachtung gebe. «Wir müssen dem mit aller Entschiedenheit entgegentreten», betonte die Kanzlerin. Sie glaube nicht, dass es sich nur um Einzelfälle handle.

Der Staat habe die Pflicht, die richtigen Antworten zu finden, «wenn es rechtlicher Änderungen bedarf, oder wenn es auch Polizeipräsenz bedarf». Der deutsche Justizminister Heiko Maas hatte zuvor gesagt, es sei möglich, dass die Täter der Silvesternacht aus Deutschland ausgewiesen werden können. Asylsuchende könnten auch während eines laufenden Asylverfahrens ausgewiesen werden.

16 Verdächtige identifiziert

Die Kölner Polizei hat inzwischen nach eigenen Angaben Hinweise auf 16 Verdächtige, welche vor allem aus dem nordafrikanischen Raum stammen. Zugleich stieg den Ermittlern zufolge die Zahl der Strafanzeigen von Opfern der Übergriffe und Raubstraftaten auf 121.

Laut Polizei wird es nun Aufgabe der Beamten sein, den 16 identifizierten Männern «konkrete Straftaten nachzuweisen». Dazu würden unter anderem Videosequenzen analysiert und die Aussagen von Opfern und Zeugen ausgewertet.

(bg/sda)

?
Facebook
SMS
SMS
1
Forum
Machen Sie auch mit! Diese news.ch - Meldung wurde von einer Leserin oder einem Leser kommentiert.
Lesen Sie hier mehr zum Thema
Köln - Im ersten Prozess um die Straftaten in der Kölner Silvesternacht hat das ... mehr lesen 1
Am Amtsgericht Köln begann heute die Verhandlung.
Hannelore Kraft.
Köln - Nach den Silvester-Übergriffen ... mehr lesen 1
Die CDU sprach sich in ihrer Erklärung zudem dafür aus, «auch sexuelle Belästigungen wie Grapschen, die unterhalb der Schwelle sexueller Nötigung liegen», unter Strafe zu stellen. (Symbolbild)
Mainz - Nach den Übergriffen an Silvester in Köln verschärft die deutsche Regierungspartei CDU massiv die Gangart gegen kriminelle Asylbewerber. Selbst bei Bewährungsstrafen soll künftig ... mehr lesen 1
Weitere Artikel im Zusammenhang
Köln - Der Kölner Polizeipräsident ... mehr lesen 2
Berlin - Nach den Übergriffen auf ... mehr lesen 3
Bei etwa drei Viertel der angezeigten Taten hätten die Opfer angegeben, sexuell bedrängt worden zu sein.
Heiko Maas hält es für möglich, dass einige Täter der Silvesternacht aus Deutschland ausgewiesen werden können.
Berlin - Der deutsche Justizminister Heiko Maas hält es für möglich, dass Täter der sexuellen Übergriffe auf Frauen in der Silvesternacht aus Deutschland ausgewiesen werden können. ... mehr lesen 32
Köln - Massive Übergriffe auf zahlreiche Frauen in der Silvesternacht rund um den Kölner Hauptbahnhof haben in Deutschland Entsetzen hervorgerufen. Innenminister de Maizière kritisierte die Polizei und Bundeskanzlerin Merkel forderte eine harte Antwort des Rechtsstaates. mehr lesen  4
Gerhard Schröder
Wer unser Gastrecht missbraucht, für den gibt es nur eins: Raus, und zwar schnell!"
Dieser Satz kommt nicht etwa von M. Le Pen, Geert Wilders oder Udo Voigt. Nein, diese Satz kommt vom deutschen Ex-Bundeskanzler und Sozialdemokraten Gerhard Schröder bei seinem Wahlkampf 1997.
Besser kann man es nicht auf den Punkt bringen.
.
Digitaler Strukturwandel  Nach über 16 Jahren hat sich news.ch entschlossen, den Titel in seiner jetzigen Form einzustellen. Damit endet eine Ära medialer Pionierarbeit. mehr lesen 21
Der 67-Jährige Gino Bornhauser wird seit dem 22. April vermisst.
Der 67-Jährige Gino Bornhauser wird seit dem 22. April vermisst.
Opfer weiterhin vermisst  Rafz ZH - Die Kantonspolizei Zürich hat am Dienstagvormittag in Rafz ZH zwei Personen verhaftet: Sie stehen unter dem dringenden Verdacht, einen seit dem 22. April vermissten Mann aus Eglisau getötet zu haben. mehr lesen 
Deutlich höhere Zahl  Sydney/London - Mindestens 45,8 Millionen Menschen leben zurzeit weltweit in modernen Formen der Sklaverei. Die Zahl liegt deutlich höher als die 2014 gezählten 35,8 Millionen. mehr lesen
In Indien hat es 18,3 Millionen Sklaven.
Der 22-jährige befindet sich seit Samstag auf der Flucht. (Symbolbild)
Flüchtiger Mörder  Aarau - Der flüchtige Mörder, der aus der Psychiatrischen Klinik Königsfelden in Windisch AG ausgebrochen ist, hätte in einer Einrichtung mit höherer Sicherheitsstufe ... mehr lesen  
Weitere Verdächtige werden gesucht  Rio de Janeiro - Bei ihren Ermittlungen zur Gruppenvergewaltigung einer 16-Jährigen hat die brasilianische Polizei zwei Verdächtige festgenommen. Nach weiteren vier Verdächtigen werde ... mehr lesen
Titel Forum Teaser
  • paparazzaphotography aus Muttenz 1
    Foto Sanatorio Liebes news.ch Team, es ist für mich eine Ehre dass sie mein Foto des ... Di, 03.01.17 22:12
  • Kassandra aus Frauenfeld 1781
    Motor hinten oder vorne war dem Tram in Basel völlig egal! Ob ein Auto über- oder untersteuert, ist nicht von der Lage des Motors ... Mi, 01.06.16 10:54
  • Mashiach aus Basel 57
    Wo bleibt das gute Beispiel? Anstatt sichere, ÜBERSTEUERNDE Heckmotorwagen zu fahren, fahren sie ... Mo, 30.05.16 11:56
  • zombie1969 aus Frauenfeld 3945
    Zugang "Das sunnitische Saudi-Arabien, das auch im Jemen-Konflikt verstrickt ... So, 29.05.16 22:06
  • zombie1969 aus Frauenfeld 3945
    Pink Phanter-Bande? Am 25. 7. 2013 hat eine Befreiung von Pink Panther-Mitglied Milan ... So, 29.05.16 15:38
  • Kassandra aus Frauenfeld 1781
    ja, weshalb sollte man solches tun? Ist doch krank, Gott zu beschimpfen! Das hat etwas, ... So, 29.05.16 12:12
  • Gargamel aus Galmiz 10
    Warum sollte man überhaupt den Glauben an Gott beschimpfen oder verspotteten? Wie krank ... So, 29.05.16 10:11
  • Kassandra aus Frauenfeld 1781
    Wir sind ja alle so anders als diese "Flüchtlinge". Warum sind auch nicht alle so edel, wie ... Sa, 28.05.16 20:25
Unglücksfälle Zorn über Tötung von Gorilla in US-Zoo Cincinnati - Die Tötung eines Gorillas im Zoo der ...
 
Stellenmarkt.ch
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
Heute Fr Sa
Zürich 1°C 20°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig bedeckt, wenig Regen recht sonnig
Basel 4°C 20°C freundlichleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig Wolkenfelder, kaum Regen recht sonnig
St. Gallen 9°C 17°C Wolkenfelder, kaum Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig trüb und nass recht sonnig
Bern 3°C 18°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig Wolkenfelder, kaum Regen recht sonnig
Luzern 2°C 20°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig stark bewölkt, Regen recht sonnig
Genf 2°C 18°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig Wolkenfelder, kaum Regen recht sonnig
Lugano 5°C 11°C wechselnd bewölktleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig recht sonnig recht sonnig
mehr Wetter von über 8 Millionen Orten