«Die grösste aussenpolitische Krise für Barack Obama»
publiziert: Samstag, 5. Feb 2011 / 11:48 Uhr
Bei Mubaraks Besuch, am 1. September 2010, im Weissen Haus sah alles noch ganz anders aus.
Bei Mubaraks Besuch, am 1. September 2010, im Weissen Haus sah alles noch ganz anders aus.

US-Präsident Obama wagte diese Woche einen heiklen Vorstoss und ging damit langsam auf Distanz zu Amerikas langjährigem ägyptischem Partner Husni Mubarak.

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«Das ist wohl die grösste aussenpolitische Krise für Barack Obama», sagte der ehemalige hochrangige US-Diplomat Nicholas Burns.

Ägypten ist seit Langem Amerikas verlässlichster Verbündeter in der arabischen Welt. Das Land schloss einen Friedensvertrag mit Israel, versuchte in der Vergangenheit im Konflikt mit Palästina zu vermitteln und war während der Invasion in Kuwait im Jahr 1990 sogar Teil des Militärbündnisses gegen das arabische Land Irak.

Im Gegenzug sah Washington im Grossen und Ganzen geflissentlich über das Gewaltregime in Ägypten hinweg und bot dem Land finanzielle Hilfen in Milliardenhöhe, Flugzeuge und Panzer an. Sogar die Tränengaskanister, die diese Woche gegen die Demonstranten eingesetzt wurden, tragen die Aufschrift «Made in the USA».

Washington unter Beobachtung

Eine solch enge Beziehung plötzlich zu beenden ist nicht einfach für die Supermacht USA, die sich stets auch ihrer weiteren Verpflichtungen bewusst sein muss. Die anderen autokratischen Verbündeten der USA in dieser Region, unter ihnen Jordanien und Saudi-Arabien, beobachten Washingtons Verhalten genau und warten auf ein Zeichen der Loyalität seitens der USA. Israel hat seine ganz eigenen Gründe, aufgrund der nache aktuellen Geschehnisse in Ägypten nervös zu werden. Denn der wichtigste arabische Partner steht im Begriff, seine Machtstellung zu verlieren.

Die Regierung Obama wagt offenbar einen diplomatischen Spagat: Nach aussen hin hat der amerikanische Präsident sowohl dem ägyptischen Staatschef wie auch den Demonstranten, die Mubaraks Amtsenthebung fordern, seine Unterstützung zugesagt.

Doch Obama hat auch einen Sondergesandten nach Ägypten geschickt und an Mubarak in einem längeren, privaten Telefongespräch appelliert, auf weitere Gewalt zu verzichten und einen Machtwechsel zuzulassen.

«Diese Art subtiler Hinterzimmer-Diplomatie ist wesentlicher effektiver als die Methode mit dem Brecheisen», meint Burns, der ehemalige US-Staatssekretär. Viele Demonstranten in Ägypten sind der Ansicht, dass sich Obama ganz ausdrücklich gegen Mubarak stellen sollte. Doch das könnte sowohl den Ägyptern wie auch vielen anderen in der arabischen Welt als eine ungewollte Einmischung erscheinen.

Ungewollte Einmischung

«Hätte Obama versucht, sich in dieser Angelegenheit mehr zu profilieren und die Bewegung zu gestalten, wäre das auf den Strassen nicht gut aufgenommen worden», sagt Burns.

Also gehen die Gespräche zwischen Washington und Kairo weiter: Amerikanische Generäle sprechen mit ägyptischen Generälen, Diplomaten mit Diplomaten und der eine Präsident mit dem anderen. Obama befindet sich in einer unglücklichen Situation: Er muss ein Bündnis würdigen, das nun zu Ende geht, und darf es doch nicht riskieren, auf Husni Mubaraks Seite der Geschichte zu enden.

Jonathan Mann - POLITICAL MANN
Dieser Text stammt von Jonathan Mann, Moderator und Journalist bei CNN International. Er moderiert das wöchentliche Politmagazin «Political Mann» auf CNN International. Der Text steht in der Schweiz exklusiv für news.ch zur Verfügung.
 

(Kolumne von Jonathan Mann/CNN-News)

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