Nahost: Hoffen auf Plan für dauerhafte Waffenruhe
publiziert: Mittwoch, 7. Jan 2009 / 20:26 Uhr / aktualisiert: Mittwoch, 7. Jan 2009 / 21:37 Uhr

Gaza/Jerusalem - Nach fast zweiwöchigen Kämpfen im Gazastreifen haben erstmals die Waffen geschwiegen. Israel verkündete eine mehrstündige Feuerpause zur Versorgung der Zivilbevölkerung. Auch die Hamas-Bewegung unterbrach den Beschuss Israels.

Laut UNO handelt es bei der Häfte der Todesopfer um Frauen und Minderjährige.
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Israels Ankündigung sieht vor, dass nun täglich zwischen 13 und 16 Uhr die Kämpfe im Gazastreifen eingestellt werden. Während dieser Zeit soll die Bevölkerung über einen sicheren Korridor versorgt werden.

Die Menschen im Gazastreifen nutzten denn auch die erste dieser Kampfpausen, um sich mit Vorräten einzudecken und Verwandte zu besuchen. Etwa 80 Lastwagen mit Lebensmitteln und Medikamenten seien in den Gazastreifen gefahren, teilte ein israelischer Sprecher mit. Auch die Lieferung von Gas sei wieder aufgenommen worden.

«Die Hölle auf Erden»

Nach Ablauf der drei Stunden flammten die Gefechte nach Angaben von Bewohnern wieder auf. Bei erneutem israelischem Beschuss sollen nach palästinensischen Angaben mindestens neun Menschen ums Leben gekommen sein, unter ihnen drei kleine Mädchen im Alter zwischen zwei und sechs Jahren. Auch Israel wurde wieder mit Raketen aus dem Gazastreifen beschossen.

Der Direktor des UNO-Hilfswerks für palästinensische Flüchtlinge (UNRWA), John Ging, kritisierte die täglichen Gefechtspausen als völlig unzureichend. Für die Zivilbevölkerung sei der Gazastreifen «die Hölle auf Erden» geworden, sagte Ging dem Sender Sky Television. Er forderte eine dauerhafte Waffenruhe.

Hoffen auf französisch-ägyptischen Plan

Die beste Chance dafür scheint ein Plan zu bieten, den Ägyptens Präsident Husni Mubarak am Dienstagabend zusammen mit seinem französischen Amtskollegen Nicolas Sarkozy vorgestellt hatte. Israel und Hamas-Vertreter erklärten, es werde noch verhandelt.

Israel ist bereit, den Plan zu prüfen. Amos Gilad, Berater von Verteidigungsminister Ehud Barak, reise Kairo, um den Vorschlag für eine Waffenruhe zu beraten, verlautete aus dem Verteidigungsministerium. Ein erwarteter Entscheid des iraelischen Sicherheitskabinetts zur Ausweitung der Bodenoffensive wurde verschoben.

Die USA und die EU stellten sich hinter den Vorschlag für eine Waffenruhe. Aus Diplomatenkreisen verlautete, eine internationale Truppe solle den Waffenschmuggel über Tunnelsysteme aus Ägypten in den Gazastreifen unterbinden.

Viele Tote

Der Druck auf Israel zur Einstellung der Kämpfe war gewachsen, nachdem am Dienstag 42 Palästinenser in einer Schule der UNO durch Geschosse des Militärs getötet worden waren.

Die UNO äusserte sich am Mittwoch besorgt über die hohe Zahl von Toten unter der Zivilbevölkerung. Die Hälfte der bislang 680 getöteten Menschen seien Frauen, Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren, sagte eine Sprecherin des UNO-Büros zur Koordinierung humanitärer Hilfe (OCHA) in Jerusalem.

Sieben israelische Soldaten getötet

Auf israelischer Seite starben sieben Soldaten und drei Zivilisten. Ziel der Offensive ist es der israelischen Regierung zufolge, die seit Monaten anhaltenden Raketenangriffe der Hamas zu unterbinden. Am Mittwoch gingen mindestens 15 neue Geschosse auf Israel nieder.

Die Weltbank warnte vor einer sanitären Katastrophe im Gazastreifen, sollten die schon beschädigten Mauern der Kläranlage von Beit Lahija bersten. Auch die stark eingeschränkte Versorgung der Bevölkerung mit Trinkwasser sei Besorgnis erregend.

Keine Ausweitung der Bodenoffensive

Die Hamas hatte angekündigt, sie wolle während der von Israel verkündeten Feuerpause keine Raketen abfeuern. Er gehe davon aus, dass die Raketenangriffe in dieser Zeit unterblieben, erklärte Mussa Abu Marsuk, ein Mitglied des Hamas-Politbüros, in Damaskus.

Das israelische Sicherheitskabinett hat derweil nach mehrstündiger Beratung die Entscheidung über eine Ausweitung der Bodenoffensive im Gazastreifen verschoben.

(ht/sda)

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