Karikaturen für wen?
publiziert: Dienstag, 7. Feb 2006 / 07:50 Uhr / aktualisiert: Dienstag, 14. Feb 2006 / 10:21 Uhr

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Es kann nicht Aufgabe der Medien sein, die arabische Welt zu erzürnen. Die dänische Zeitung «Jyllands-Posten» hat mit der Veröffentlichung der Mohammed-Karikaturen einen Fehler begangen. Im Zuge der sich daran entzündenden Proteste in vorwiegend muslimischen Ländern verweisen Zeitung und westliche Regierungen jetzt unermüdlich auf die Pressefreiheit. Mit Medienfreiheit hat der Karikaturen-Streit aber wenig zu tun.

Zuerst möchte ich mich an eine Ausstellung erinnern, welche die Fondation Beyeler vor einigen Jahren zum arabesken Ornament präsentierte. Sie zeigte, dass der Impuls des Bilderverbotes im Islam zu einem grossen Reichtum des geometrischen und arabesken Ornaments geführt hat.

Das Prinzip Bilderverbot ist auch anderen Religionen bekannt. Du sollst Dir kein Bild von Gott machen, heisst es etwa in der christlichen Lehre. Tiefgründiger formuliert es der Taoismus: „Nichts kann von ihm gesagt werden, dass seine Fülle nicht schmälerte.“ Neben der Freude am Bild gibt es offenbar auch ein anderes Sehnen: Das Bedürfnis nach dem Nicht-Bild.

Eine gewisse Weisheit kann dem Bilderverbot nicht abgesprochen werden. Wenn ein Prinzip nicht bebildert werden darf, kann es nicht missbraucht, nicht vermarktet werden. Zwar wurden Bilderverbote immer und immer wieder gebrochen. Dennoch: Das Prinzip Nichtbild entspricht einem Bedürfnis. Der Suche nach dem Geheimnisvollen, Unausprechbaren und Unbekannten sollen keine Bilder entgegenstehen. Solche Prinzipien sind letztlich auch Symbole für Unwissenheit; Unwissenheit über den Ursprung des Seins.

Gedanken solcher Art scheinen der Redaktion der dänischen Zeitung absent gewesen zu sein. Mit dem Mohammed-Abdruck wurde überdies der eigentliche Sinn der Karikatur verfehlt. Karikatur spielt die Rolle des Hofnarrs; sie soll auf die Mächtigen zielen, Missstände im Staate anprangern und das Volk bei Laune halten. Nicht aber soll sie die Minderheit brüskieren. Und ironischerweise dürfen jene, die hier konterkariert werden sollten, die Karikatur gar nicht sehen. Sie sind zum Wegschauen verpflichtet. So schiessen die Karikaturen ins Leere. Mittlerweile ist auch der dänischen Exportwirtschaft die Freude vergangen: Sie wird wegen der Boykotte arabischer Länder Millionenverluste erleiden.

Dänische Regierung und EU verweisen nun unermüdlich auf die Presse- und Medienfreiheit. Tatsächlich geniesst diese in Europa eine hohe Priorität. Zum Glück. Die Medienfreiheit ist auf Verfassungsstufe, sowie in der europäischen Menschenrechtskonvention verankert. Gegenüber religiösen Gefühlen einer fremden Kultur gebührt aber besondere Pietät und Zurückhaltung, nur schon aus pragmatischen Gründen, um die eigenen Leute im Ausland nicht zu gefährden. Das wissen international tätige Organisationen oftmals besser. Der Fernsehsender CNN beispielsweise zeigte die Karikaturen nur zur Unkenntlichkeit verzerrt. Und ich glaube nicht, dass ich deshalb etwas verpasst habe.

Zeitung sowie dänische Regierung müssten sich nun grosszügig entschuldigen, falls dies nicht schon zu spät ist. Vielleicht könnte man arabischen Schreibern ein Gegendarstellungsrecht einräumen, damit diese ihre Position darlegen können. Kreativität ist gefragt. Dabei könnte auch das sehenswerte arabeske Ornament gezeigt werden. Auf einen Nachdruck dieser Karikaturen sollten europäische Medien jedoch verzichten. Schliesslich gibt es auch andere.

(von Harald Tappeiner/news.ch)

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